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Natürliche Perlen und Zuchtperlen

Unterschiede zwischen natürlichen und Zuchtperlen – wie Perlen entstehen

 

Wie entsteht eine natürliche Perle?

Eine natürliche, auch wilde Perle genannt, entsteht ohne menschliches Zutun. Im Durchschnitt enthält nur eine von hundert Muscheln eine Perle – und diese ist meist klein und unregelmäßig geformt. Um eine qualitativ hochwertige Perle zu finden, müssen allerdings rund 10.000 Muscheln geöffnet werden. Ganz schön viel, oder? Wer möchte schon so viele Muscheln aufbrechen?

Eine natürliche Perle entsteht durch eine Abwehrreaktion des Weichtiers auf einen Fremdkörper – meist ein Sandkorn oder ein Parasit. Gelangt dieser in die Muschel, reizt oder verletzt er das Gewebe. Als Schutz beginnt das Tier, den Fremdkörper mit Perlmutt zu umhüllen. Diese Substanz besteht aus Aragonit und Conchiolin.

Die Bildung einer natürlichen Perle kann je nach Bedingungen mehrere Monate bis viele Jahre dauern. Einfluss haben dabei unter anderem die Art und Größe des Fremdkörpers sowie die Fähigkeit des Tieres, Perlmutt zu produzieren. Das Perlmutt lagert sich schichtweise ab – mit der Zeit entsteht dadurch die typische Perlenstruktur. Je länger der Prozess, desto größer die Perle.

Man geht davon aus, dass Perlen eine Lebensdauer von etwa 100 bis 200 Jahren haben. Danach verlieren sie ihren Glanz und bekommen einen gelblichen Farbton.

 

Wie entsteht eine Zuchtperle?

Der Zuchtprozess von Perlen wird vom Menschen gesteuert. Der große Vorteil: Muscheln müssen nicht mehr mühsam aus der Natur gefischt werden. Bei der Zucht wird ein Kern oder ein anderes Fremdmaterial in das Weichtier eingesetzt. Dieses umhüllt den Fremdkörper dann mit Perlmutt.

Die gesamte Produktionszeit beträgt – wie bei natürlichen Perlen – meist mehrere Monate bis einige Jahre. Das hängt von Art und Qualität der Perle ab. Da die Bedingungen für die Muschel jedoch gezielt optimiert werden, entsteht die Perle meist schneller als in freier Wildbahn. Mit dieser Methode lassen sich Perlen in gewünschten Formen, Farben und Größen herstellen.

Von 100 Zuchtmuscheln liefert nur eine eine perfekt runde Perle in hoher Qualität. Weitere 20 ergeben minderwertige Exemplare, der Rest ist nicht verwendbar.

Die Perlenzucht begann vermutlich bereits im 13. Jahrhundert in China. Bis ins 20. Jahrhundert wurde sie weltweit betrieben – allerdings in kleinem Umfang. Erst an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert begann Japan mit der Massenproduktion.

 

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Natürliche oder gezüchtete Perlen – woran erkennt man den Unterschied?

Stell Dir ein berühmtes Gemälde und eine perfekte Kopie daneben vor – kann man sofort erkennen, welches das Original ist? Ohne genaue Analyse kaum. Dennoch geben Menschen Millionen dafür aus, das Original zu besitzen, obwohl die Kopie identisch aussieht – und deutlich günstiger ist.

Mit hochwertigen Perlen verhält es sich ähnlich. Es ist schwer, eine natürliche von einer Zuchtperle zu unterscheiden. Ein Laie erkennt den Unterschied ohnehin nicht. Eine hochwertige Zuchtperle ähnelt stark einer natürlichen. Erst durch detaillierte Untersuchungen lassen sich Abweichungen feststellen. Obwohl sie äußerlich nahezu gleich wirken, unterscheiden sie sich im Preis. Beide Varianten gibt es schon ab wenigen Euro. Natürliche Perlen sind jedoch deutlich teurer – Einzelstücke können bis zu 22.000 € kosten. Solche Exemplare sind außergewöhnlich. Im Einzelhandel findet man natürliche Perlen kaum. Sie werden fast ausschließlich in fertigen Schmuckstücken verkauft. Die teuerste bekannte Perle wird auf rund 90 Millionen € geschätzt und wiegt ganze 34 Kilogramm. Viele Menschen könnten sie nicht einmal hochheben – geschweige denn als Schmuck tragen.

Der größte Unterschied: Bei natürlichen Perlen bilden die Schichten gleichmäßige Ringe, ihre Oberfläche ist oft etwas glatter.

Natürliche Perlen haben im Inneren keinen Kern – anders als bei den meisten Zuchtperlen. Es gibt zwar auch kernlose Zuchtperlen, aber dann bleibt im Inneren meist ein Hohlraum.

Für den Durchschnittskäufer spielt das kaum eine Rolle. Um einen Kern zu erkennen, müsste man die Perle röntgen oder mit starker Vergrößerung untersuchen.

Weder natürliche noch gezüchtete Perlen sind in der Regel perfekt rund.

Zuchtperlen können größer sein als natürliche – dank der gezielten Bedingungen während des Wachstums. Züchter achten darauf, ein möglichst ideales Umfeld für die Perlenbildung zu schaffen.

Perlen

 

Muschelperlen – künstliche Perlen

Es gibt auch Perlen, die aus Muschelschalen hergestellt werden. Sie sind mit einer Beschichtung überzogen, die echter Perlmuttoptik ähnelt, und werden als Muschelperlen bezeichnet. Wie man sich denken kann, werden sie künstlich vom Menschen produziert. Meist kommen Muschelschalen oder andere organische Materialien zum Einsatz. Bei der Herstellung wird ein perlenähnlicher Kern mit einer speziellen Substanz überzogen. Diese verleiht ihm den typischen Glanz, der echten Perlen ähnelt.

Wie erkennt man eine künstliche Perle?

Gieße kochendes Wasser darüber. Wenn sie künstlich ist, kann sich die Oberfläche ablösen – das gilt allerdings nur bei besonders billigen Fälschungen.

Künstliche Perlen sind außerdem meist perfekt glatt und rund, ihre Oberfläche ist gleichmäßig gefärbt. 

 

Perlenarten

Perlen kommen sowohl in Salz- als auch in Süßwasser vor und werden auch dort gezüchtet. Ihre Farbe hängt von der jeweiligen Muschelart ab, die sie bildet.

Süßwasserperlen: meist kleiner als Meeresperlen. Sie gibt es in vielen Farben – von Weiß über Rosa, Violett, Gold bis hin zu Schwarz.

Salzwasserperlen: in der Regel größer. Sie gelten oft als wertvoller als Süßwasserperlen. Auch sie sind in verschiedenen Farbtönen erhältlich, meist in Weiß und Creme.

Tahiti-Perlen: stammen hauptsächlich aus Tahiti und anderen Inseln in Polynesien. Sie sind bekannt für ihr dunkles, geheimnisvolles Aussehen. Die Farbpalette reicht von Grau, Schwarz und Blau bis Grün und Violett. Sie gelten als besonders luxuriös und exklusiv.

Akoya-Perlen: kommen vor allem aus Japan und China. Sie sind berühmt für ihren starken Glanz und ihre exzellente Qualität. Akoya-Perlen sind meist weiß oder cremefarben und stehen für klassische Eleganz.

South-Sea-Perlen: die größten und seltensten unter allen Perlenarten. Sie stammen hauptsächlich aus Australien, Indonesien und den Philippinen. Typische Farben: Weiß, Creme, Gold und Silber. Sie zählen zu den exklusivsten und teuersten Perlen der Welt.

Biwa-Perlen: entstehen im Biwa-See in Japan. Sie sind für ihre Formen- und Farbvielfalt sowie ihren schönen Glanz bekannt. Biwa-Perlen sind im Schmuckbereich beliebt – wegen ihres einzigartigen und unverwechselbaren Erscheinungsbildes.

 

Kampagnen gegen die Perlenzucht

Die Perlenzucht wurde mehrfach boykottiert – doch das hat ihre Produktion nie wirklich gestoppt. Umweltkampagnen riefen zu einem Verzicht auf Perlen auf, weil Perlenfarmen die Natur schädigen und schlechte Arbeitsbedingungen herrschen.

Größere Auswirkungen blieben jedoch aus. Deshalb wird inzwischen stärker auf Aufklärung gesetzt: Die Perlenproduktion verursacht Leid für Lebewesen, zerstört Ökosysteme und basiert häufig auf Ausbeutung. Im 21. Jahrhundert gibt es längst Technologien, mit denen künstliche Perlen hergestellt werden – ganz ohne Fischerei oder Zucht. Viele Menschen greifen daher auf künstliche Perlen zurück, die fast genauso aussehen wie echte.

Dennoch kaufen viele weiterhin echte Perlen – oft aus Eitelkeit. Sie wollen etwas Echtes und Teures besitzen, obwohl es am Hals genauso aussieht wie eine künstliche Perle. Niemand schaut sich schließlich ein Halsband mit der Lupe an.

 

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