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Schatztruhe

Der Fluch von Oak Island

 

Stell dir eine kleine Insel vor, die auf den ersten Blick völlig unscheinbar wirkt. Kein tropisches Paradies, keine Strände mit weißem Sand, keine Palmen, die sich über türkisfarbenes Wasser neigen. Und doch beflügelt sie seit dem späten 18. Jahrhundert die Fantasie von Menschen auf der ganzen Welt. Oak Island – die „Insel der Eichen“ – liegt in der Mahone Bay, in der kanadischen Provinz Nova Scotia. Und nein – Nova Scotia liegt nicht in Schottland, sondern an der Ostküste Kanadas. Im Alltag ist es ein ruhiger, fast verschlafener Ort … zumindest für diejenigen, die seine Legende nicht kennen.

Seit über zweihundert Jahren heißt es, dass tief unter der Erde der Insel ein Schatz verborgen liegt. Kein symbolischer Schatz, sondern ein echter – mit Münzen, Gold, Juwelen und, so vermuten einige, sogar unbezahlbaren historischen Dokumenten. Die Geschichte ist so alt, dass sich kaum noch nachvollziehen lässt, was daran wahr ist und was auf Gerüchten beruht. Genau das treibt immer neue Generationen von Abenteurern an.

Im Laufe der Jahre wurden auf der Insel Dutzende Schächte, Tunnel und Gruben gegraben – mit einfachen Schaufeln ebenso wie mit moderner Technik. Man pumpte Wasser ab, sprengte Fels mit Dynamit, setzte Sonargeräte und Unterwasserkameras ein. Das Ergebnis? Zahlreiche rätselhafte Funde, mehrere schwere Unfälle, sechs Todesopfer … und kein einziger eindeutig bestätigter Schatz. Trotzdem lebt die Legende von Oak Island weiter – und zieht bis heute neue Schatzsucher an, von privaten Enthusiasten bis zu Fernseh-Teams.

 

Eine Insel, die mehr verbirgt als nur Landschaft

Vor der Ostküste Kanadas, in der Mahone Bay, liegt ein kleiner grüner Fleck, umgeben vom kalten Wasser des Atlantiks. Sie misst gerade einmal 0,57 km2, ist etwa 1,3 Kilometer lang und etwas über einen halben Kilometer breit. Aus der Vogelperspektive erinnert ihre Form ein wenig an einen kleinen Elefanten – aber das ist wohl reine Fantasie.

Früher wuchsen hier mächtige Eichen, wie sie auf keiner anderen Insel der Bucht zu finden waren. Sie gaben Oak Island ihren Namen und machten sie unter den rund 350 Inseln der Mahone Bay einzigartig. Heute sind die Eichen verschwunden – ersetzt durch andere Pflanzen und Spuren menschlicher Eingriffe. Der höchste Punkt der Insel liegt nur 11 Meter über dem Meeresspiegel – auf den ersten Blick also ein unscheinbares, flaches Stück Land.

Bis Mitte der 1960er-Jahre war Oak Island vom Festland abgeschnitten. Wer hierher wollte, musste mit dem Boot übersetzen. Das änderte sich 1965, als ein Damm die Insel mit der Halbinsel Nova Scotia verband. Von da an konnte auch schweres Gerät problemlos herangeschafft werden – und ein neues Kapitel der Schatzsuche begann.

Die ersten europäischen Siedler kamen 1605 in diese Gegend, doch zuvor lebte hier das Volk der Mi’kmaq. Ihr Wissen über Land, Wasser und lokale Überlieferungen wurde von Generation zu Generation weitergegeben – und vielleicht flossen einige dieser Geschichten in die späteren Schatzlegenden ein.

So richtig Fahrt nahm die Erzählung 1864 auf, als eine Zeitung von einem merkwürdigen Schacht und einem verborgenen Reichtum berichtete. Die Geschichte las sich wie ein fertiger Abenteuerroman – und enthielt dennoch die Namen realer Personen. Das machte es schwer, sie einfach als reine Fantasie abzutun.

 

Die ersten Funde und die Legende vom geheimnisvollen Schacht

Nach der am häufigsten erzählten Version begann alles im Jahr 1795. Der 16-jährige Daniel McGinnis entdeckte bei einem Streifzug über Oak Island eine ungewöhnliche Stelle – eine kreisförmige Vertiefung im Boden, als hätte dort jemand einst etwas vergraben. Darüber wuchs ein Baum, an dessen Ast noch Reste eines alten Seils hingen. In der Rinde waren Kerben zu sehen, die wohl dazu dienten, etwas Schweres zu befestigen.

McGinnis kehrte ans Festland zurück und überzeugte zwei Freunde – John Smith und Anthony Vaughan – gemeinsam auf die Insel zu kommen und zu graben. Schon nach den ersten Spatenstichen stießen sie auf Schieferplatten, die auf der Insel nicht natürlich vorkamen. Jemand musste sie dorthin gebracht haben.

In einer Tiefe von drei Metern entdeckten sie eine sauber gelegte Schicht aus Holzbalken. Die nächste Schicht lag bei sechs Metern, eine weitere bei neun Metern – jede durch eine Erdschicht voneinander getrennt. Alles wirkte zu regelmäßig, um ein Werk der Natur zu sein. Doch die Möglichkeiten der drei Jugendlichen waren begrenzt. Mangel an geeignetem Werkzeug und harter Lehmboden zwangen sie, die Arbeit einzustellen.

Erst 1804 kehrten McGinnis, Smith und Vaughan zurück – diesmal mit Unterstützung der Onslow Company. Sie verfügten über bessere Ausrüstung und finanzielle Mittel. In zwölf Metern Tiefe fanden sie Kokosfasern – ein in Kanada exotisches Material, das in der Schifffahrt zum Sichern von Ladung verwendet wurde. Der Fund befeuerte ihre Fantasie noch mehr.

In dreißig Metern Tiefe stießen sie auf eine Schieferplatte mit geheimnisvollen Zeichen. Smith nahm den Stein mit und mauerte ihn in den Kamin seines Hauses ein. Viele Jahre später verschwand er während einer Renovierung, und sein Aussehen ist nur noch aus Erzählungen bekannt.

Die Schatzsucher waren überzeugt, kurz vor dem Ziel zu stehen. Doch als sie am nächsten Tag zurückkamen, war der Schacht bis auf 18 Meter Höhe mit Wasser gefüllt. Keine Pumpe konnte es entfernen. Auch der Versuch, einen zweiten Schacht anzulegen, endete mit einer plötzlichen Überflutung. Die Onslow Company gab schließlich auf – Geld und Geduld waren erschöpft.

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Der Schatzfieber – neue Generationen von Suchern

Vierzig Jahre lang herrschte auf der Insel Ruhe. Dann, im Jahr 1849, trat die Truro Company auf den Plan. Sie engagierte Anthony Vaughan als Berater und begann damit, den alten Schacht freizulegen. Anfangs lief alles gut – bis in 26 Metern Tiefe erneut Wasser eindrang.

Bei den Untersuchungen stießen sie auf etwas Außergewöhnliches: An der Ostküste der Insel entdeckten sie ein System aus fünf hölzernen Kanälen in Fächerform, die sich zu einem vereinten und in Richtung Schacht führten. Das Ganze war mit einer Schicht aus Steinen und Kokosfasern bedeckt. Vermutlich handelte es sich um ein gezielt angelegtes Flutungs­system, das den Schacht mit Meerwasser füllen sollte.

Der Versuch, einen Damm zu errichten, scheiterte – der Atlantik zerstörte die Konstruktion. In einem letzten verzweifelten Schritt versuchten sie, sich unter den Schacht zu graben. Das führte jedoch dazu, dass alles einstürzte und noch tiefer versank. Die Truro Company ging bankrott.

In den folgenden Jahrzehnten kamen weitere Expeditionen. 1861 verlor die Oak Island Association bei einer Kesselexplosion einen Arbeiter. Andere Gruppen gruben neue Schächte und Tunnel – und machten die Situation immer komplizierter. So entstand die Legende vom „Fluch von Oak Island“: Der Schatz werde erst gefunden, wenn sieben Menschen gestorben seien und alle Eichen gefällt wurden.

1897 versuchte Frederick Blair, den Wassereintritt mit Dynamit zu stoppen. Er fand ein Stück Ziegenhaut mit den Buchstaben „V“ oder „VW“ sowie Spuren von Zement und Quecksilber. Außerdem füllte er den Schacht mit roter Farbe – die auf der anderen Seite der Insel wieder austrat, was auf zusätzliche Tunnel hindeutete. Blair musste die Arbeiten jedoch ebenfalls einstellen – das Geld war aufgebraucht.

 

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Moderne Versuche und Ruhm im Fernsehen

Im 20. Jahrhundert traten neue Schatzsucher auf. Mel Chappell war überzeugt, dass die Inka hier ihren Schatz versteckt hätten. Er grub einen neuen Schacht, fand jedoch nichts. In den 1960er-Jahren wurde die Triton Alliance gegründet, angeführt von Dan Blankenship. Er grub tiefer als je jemand zuvor – bis auf 60 Meter – und entdeckte Holzfragmente, die auf das 16. Jahrhundert datiert wurden, sowie angeblich Zement aus dem 17. Jahrhundert.

1971 ließ man in den Schacht „10X“ eine Kamera hinab, die unscharfe Aufnahmen machte. Blankenship behauptete, eine menschliche Gestalt gesehen zu haben, konnte dies jedoch nie belegen. Versuche, den Grund zu erreichen, endeten mit Erdrutschen und erneuten Überflutungen.

Rechtsstreitigkeiten zwischen Blankenship und dem Landvermesser Fred Nolan zogen sich über Jahre. Nolan war überzeugt, dass eine Formation großer Steine auf der Insel ein Kreuz bilde – und dass darin der Schlüssel zum Rätsel liege.

2014 schaffte es Oak Island ins Fernsehen. Die Serie „The Curse of Oak Island“ machte sie zu einer weltweiten Sensation. Die Brüder Rick und Marty Lagina, neue Teilbesitzer der Insel, präsentierten in den folgenden Staffeln ihre Forschungen und kleinere Funde – Münzen, Holzstücke, Metallfragmente. Doch der große Schatz blieb weiterhin aus.

 

Was verbirgt sich unter der Erde?

Im Laufe der Jahre entstanden zahlreiche Theorien. Einige glauben an den Schatz von Captain Kidd, andere sprechen von der Kriegs­kasse der Briten aus den Kämpfen um Amerika. Es gibt auch Versionen, die Tempelritter oder verschollene Manuskripte von Francis Bacon mit einbeziehen – angebliche Beweise dafür, dass er die Stücke schrieb, die man Shakespeare zuschreibt.

Skeptiker bevorzugen eine einfachere Erklärung: Alles könnte eine natürliche geologische Formation sein, überschwemmt durch unterirdische Kalksteinkanäle. Und manche der Funde? Vielleicht wurden sie bereits im 19. Jahrhundert von den Schatzsuchern selbst platziert, um Investoren anzulocken.

Trotz des Fehlens konkreter Beweise bleibt Oak Island weltweit ein Magnet für Neugierige. Für die einen ein verfluchter Ort, für andere bis heute das spannendste ungelöste Schatzrätsel. Und solange niemand wirklich zu Boden vordringt und zeigt, was dort liegt – wird die Legende weiterleben.

 

Fernsehserie „Oak Island – Fluch und Legende“ und die Realität

Im Jahr 2014 startete auf dem History Channel die Serie The Curse of Oak Island, die in Deutschland unter dem Titel „Oak Island – Fluch und Legende“ ausgestrahlt wird. Die Produktion verbindet Schatzsuche, historische Rätsel und reale Persönlichkeiten. In jeder Staffel präsentieren die Brüder Rick und Marty Lagina gemeinsam mit ihrem Team neue Grabungen, Theorien und Funde.

Das Fernsehen sorgt dabei für dramaturgischen Hochgenuß: Aus jedem kleinen Fund – einer Münze oder einem Holz­fragment – wird ein möglicher Hinweis auf Piraten oder geheime Konstruktionen. In Wirklichkeit handelt es sich häufig um Alltagsgegenstände oder Überreste früherer Schatzsuchen.

Die tatsächlichen Arbeiten sind oft deutlich eintöniger als im Fernsehen dargestellt. Stundenlanges Bohren, Wasser­pumpen oder geologische Untersuchungen werden in der Serie in kurze, spannende Sequenzen gepackt. Für die Zuschauer bedeutet das nervenaufreibende Abenteuer – für die Teammitglieder meist mühsame Arbeit mit ungewissem Ausgang.

Dennoch leistet die Serie einen großen Beitrag dazu, das Interesse an Oak Island aufrechtzuerhalten. Dank der TV-Präsenz wurde die Insel weltweit bekannt, und neue Generationen von Zuschauern und Schatzsuchern erfahren von der Legende, die nun schon seit über 200 Jahren fasziniert.

Quelle der Informationen: https://de.wikipedia.org/wiki/Oak_Island_(Nova_Scotia)

 

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