Sind „0 %-Raten“ in Online- und stationären Geschäften wirklich kostenlos?
Sowohl in Onlineshops als auch im stationären Handel werden häufig Produkte mit 0 %-Raten angeboten – manchmal sogar mit der ersten oder zweiten Rate geschenkt. Aber ist ein solcher Kredit wirklich gratis?
Solange man keine Kreditversicherung oder ein zusätzliches Bankprodukt dazu abschließt und die Raten pünktlich zurückzahlt, entstehen tatsächlich keine weiteren Kosten.
Was bedeutet 0 %-Ratenkauf – effektiver Jahreszins 0 %?
Zuerst klären wir die Grundlagen.
Ein echter 0 %-Ratenkauf – also ein wirklich kostenloser Kredit – liegt nur dann vor, wenn im Kreditangebot keine weiteren Gebühren enthalten sind, die transparent aufgeführt werden müssen. Dazu zählen zum Beispiel Kreditversicherungen, verpflichtende Kreditkarten oder die Bedingung, ein Girokonto zu eröffnen. Wichtig ist: Der Händler und die Bank dürfen diese Kosten nicht verstecken – sie müssen direkt ersichtlich sein. Wenn im Angebot der effektive Jahreszins 0 % beträgt, bedeutet das, dass der Kredit wirklich zinsfrei ist und keine Zusatzkosten entstehen.
Bevor man den Vertrag unterschreibt, sollte man unbedingt prüfen, ob solche „Überraschungen“ enthalten sind. Ist das nicht der Fall, handelt es sich um einen echten 0 %-Kredit.
1–2 Raten gratis vom Händler übernommen
In manchen Angeboten übernimmt der Händler zusätzlich die erste oder sogar die ersten zwei Monatsraten – neben der 0 %-Finanzierung. Diese Extras gibt es meist nur bei längeren Laufzeiten. Bei kurzen Laufzeiten wäre der finanzielle Aufwand für den Händler zu hoch. Doch warum sollte ein Händler für uns Raten zahlen?
Die Antwort: Im Grunde zahlen wir sie selbst – über den Produktpreis. In diesem ist bereits die Marge enthalten, also der Gewinn für den Verkäufer. Weil wir das Produkt kaufen, verdient der Händler – nur eben etwas weniger, da er einen Teil der Marge für die „Gratisraten“ verwendet. Ein Beispiel: Der Händler kauft das Produkt für 2000 Euro und verkauft es für 2700 Euro. Davon nutzt er 200 Euro für die erste(n) Rate(n). Die Marge beträgt dann 500 Euro – sowohl Kunde als auch Händler sind zufrieden.
Welchen Vorteil hat der Käufer bei 0 %-Raten?
Theoretisch profitiert man am meisten von zinsfreien Langzeitkrediten bei hoher Inflation. Nehmen wir an, man kauft ein Smartphone für 3000 Euro auf 30 Raten – das ergibt eine monatliche Rate von 100 Euro. Das Einkommen liegt bei 3500 Euro. Damit ließe sich rechnerisch 35 Mal die Rate bezahlen.
Bei einer jährlichen Inflation von 20 % steigen in der Regel auch Gehälter und Sozialleistungen. Angenommen, das Gehalt steigt ebenfalls um 20 % – nach einem Jahr beträgt es 4200 Euro. Offene Kreditsumme: noch 1800 Euro. Die monatliche Rate bleibt bei 100 Euro, weil der Kredit zinsfrei ist. Jetzt könnten mit dem höheren Gehalt rechnerisch schon 42 Raten gezahlt werden – statt 35 im Vorjahr. Die 100 Euro von damals sind inflationsbedingt weniger wert. Man verdient mehr, lebt auf demselben Niveau – zahlt aber weiterhin eine Rate, die inflationsbereinigt eigentlich 120 Euro betragen müsste.
Noch größer wäre der Vorteil, wenn das eigene Geld in der Zwischenzeit zum Beispiel auf einem Sparkonto angelegt wäre.
Ein pünktlich zurückgezahlter Ratenkredit hilft zudem beim Aufbau einer positiven Kreditgeschichte – was später bei der Beantragung weiterer Kredite hilfreich sein kann. Banken achten darauf, ob man frühere Verträge zuverlässig bedient hat.
Welchen Gewinn hat der Händler bei 0 %-Ratenverkäufen?
Der Händler verkauft das Produkt – und wie bereits erwähnt, reduziert er im Fall von gesponserten Raten seine Marge. Der Gewinn fällt kleiner aus, aber unterm Strich bleibt er im Plus. Besonders im stationären Handel wird man oft dazu ermutigt, eine Zusatzgarantie oder Versicherung abzuschließen – darauf verdient der Händler über eine Provision vom Versicherer. Da man ohnehin in Raten zahlt, wird oft auch zu weiteren Produkten geraten – mit dem Argument, dass „es ja nur ein paar Euro im Monat mehr“ sind.
Welchen Vorteil hat die Bank bei einem 0 %-Ratenkredit?
Am meisten wirft die Rolle der Bank Fragen auf. Warum sollte ein Finanzinstitut einen Kredit ohne Zinsen vergeben? Zwar kennen wir die Details der Verträge zwischen Bank und Händler nicht, doch klar ist: Banken bieten nichts an, womit sie nicht langfristig verdienen könnten.
Wer einen Ratenkredit abschließt, wird automatisch Kunde der Bank. Man denke nur daran, wie viel Geld Banken für Werbung ausgeben. Bei einem 0 %-Kredit kommt der Kunde von selbst. Wahrscheinlich folgen bald Anrufe mit weiteren Produktangeboten. Viele Kunden eröffnen später ein Konto oder nehmen einen neuen Kredit – diesmal aber mit Zinsen. Der 0 %-Kredit ist also eine Art Werbung – mit der Hoffnung auf Folgegeschäfte.
Verliert die Bank dabei Geld? Vielleicht – wenn der Kunde den Kredit vollständig tilgt und nie ein weiteres Produkt abschließt. Dann bleiben Werbekosten und zinsfreie Mittel ein reiner Aufwand.
Worauf man beim Ratenkauf achten sollte
Zuerst: Prüfe, ob der effektive Jahreszins wirklich 0 % beträgt – und ob nicht automatisch zusätzliche Bankprodukte angeboten werden.
Dann: Überlege vorher, ob Du eine Zusatzgarantie oder Versicherung wirklich willst. Wenn nicht, lass Dich nicht im Gespräch vom Verkäufer unter Druck setzen. Beim Onlinekauf ist man in der Regel freier in der Entscheidung.
Wichtig ist auch: Die Werbung für einen 0 %-Kredit bezieht sich manchmal nur auf die ersten Raten – danach wird er verzinst. In so einem Fall liegt der effektive Jahreszins garantiert nicht bei 0 %. Händler bieten verschiedene Ratenmodelle an – nicht alle davon sind kostenlos.
Überlege Dir außerdem im Voraus, wie viel Du wirklich ausgeben möchtest – und lass Dich nicht dazu verleiten, ein teureres Produkt oder Zubehör zu kaufen, nur weil es „ja nur ein paar Euro mehr im Monat“ sind.
Und zuletzt etwas scheinbar Offensichtliches – das man trotzdem nicht vergessen sollte: Vergleiche den Preis in anderen Shops. Vielleicht ist das gleiche Produkt woanders günstiger – und wird ebenfalls mit 0 %-Raten angeboten.


Kommentar schreiben