logo

Hilfe
Legenden um die Schätze der Templer

Die Schätze der Templer

 

Den Schatz der Templer kann man sich leicht vorstellen: Truhen voller Gold, irgendwo unter dem Steinboden einer Burg verborgen. Schwieriger wird es, wenn ein Dokument dieses Versteck belegen soll. Der Orden häufte tatsächlich beträchtlichen Besitz an. Seine Geschichte ist jedoch weniger märchenhaft als die Erzählungen über geheime Tunnel. Neben dem Schutz von Pilgern gehörte auch Gewalt dazu, und hinter religiösen Zielen standen wirtschaftliche Interessen. Bevor wir den verschwundenen Kostbarkeiten nachspüren, lohnt sich deshalb ein Blick auf die Menschen, die sie angeblich versteckten. Und auf die Frage, wie viel Mittelalter in diesen Legenden tatsächlich steckt.

 

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Der Templerorden entstand um 1119, um christliche Pilger auf ihren Reisen durch das Heilige Land zu schützen.
  • Zu seinen Einnahmequellen gehörte Grundbesitz; seine Niederlassungen wickelten außerdem Finanzgeschäfte ab.
  • Ein Münzfund aus Jerusalem umfasste unter anderem 74 Münzen aus Chartres und eine aus Blois; der Besitzer blieb unbekannt.
  • Es gibt keinen belastbaren Beleg dafür, dass die Templer den Heiligen Gral besaßen.
  • Untersuchungen der Burg Gisors im Jahr 1964 bestätigten die Erzählung von einer unterirdischen Schatzkammer nicht.
  • Der Bericht über die Flucht von 18 Galeeren beruht auf Informationen, die Jean de Châlon nur vom Hörensagen kannte.
  • Der Bau der Rosslyn Chapel begann 1446, also 134 Jahre nach der Auflösung des Ordens.
  • Der portugiesische Besitz der Templer wurde dem Christusorden übertragen, wodurch ein Teil ihres materiellen Erbes erhalten blieb.

 

Wer waren die Templer und wovon lebten sie?

Die Templer gehörten einem katholischen Ritterorden an, der um 1119 in Jerusalem gegründet wurde. Anfangs sollten sie christliche Pilger auf ihren Reisen durch das Heilige Land schützen. Mit der Zeit wurden sie zu einer wichtigen militärischen Kraft der Kreuzfahrerstaaten. Ihr Name bezog sich auf ihren Sitz auf dem Tempelberg. Dort verbanden die Christen die Al-Aqsa-Moschee mit dem einstigen Tempel Salomos. Diese Verbindung genügte später, um die Fantasie der Sucher nach biblischen Schätzen anzuregen. Sie beweist jedoch nicht, dass die Ordensbrüder dort tatsächlich etwas fanden.

Das persönliche Armutsgelübde machte den Orden als Institution keineswegs arm. Ein Bruder durfte nur sehr eingeschränkt über eigenen Besitz verfügen, während die Gemeinschaft umfangreiche Güter erwerben konnte. Sie erhielt diese unter anderem von Adligen, die die Kreuzzüge unterstützten. Geschenktes Land brachte über Jahre hinweg Erträge und war damit wertvoller als ein einmalig übergebener Beutel Münzen. Ein anschauliches Beispiel ist Temple Manor in England. Heinrich II. überließ das Anwesen den Templern 1159. Der zugehörige landwirtschaftliche Betrieb verschaffte dem Orden erhebliche Einnahmen.

Mit diesen Erträgen wurde der Krieg im Osten finanziert. Bewaffnete Truppen zu unterhalten war teuer, besonders wenn ihre Versorgung weit entfernt von den europäischen Besitzungen organisiert werden musste. Das Vermögen des Ordens erwirtschaftete laufend Einnahmen, statt in einer einzigen großen Truhe zu liegen. Einen Teil steuerte der Handel bei. Das weitverzweigte Netz der Niederlassungen erleichterte zugleich den Geldtransfer. Papst Honorius III. nutzte die Dienste der Templer, um Mittel für einen Kreuzzug zu übermitteln. Ihre Tätigkeit reichte damit längst über den Schutz von Reisenden hinaus.

Kann man sie als Bankiers bezeichnen? Mit Einschränkungen. Die Templer nahmen Einlagen entgegen und vergaben Darlehen, doch der Vergleich mit einer heutigen Bank führt leicht zu falschen Vorstellungen. Ihre Bedeutung beruhte auf Vertrauen und ihrer Präsenz in zahlreichen Ländern. Wer ihnen Geld anvertraute, nutzte eine Organisation, die Finanzgeschäfte über große Entfernungen abwickeln konnte.

Der weiße Mantel mit dem roten Kreuz war allerdings kein Beweis für moralische Makellosigkeit. Die Templer beteiligten sich an den Kreuzzügen und sicherten die Herrschaft der lateinischen Staaten im Osten mit Waffengewalt. Einen christlichen Pilger zu schützen bedeutete nicht, jeden Bewohner dieser Gebiete zu schützen. Sie waren Ordensbrüder, doch zu ihren Aufgaben gehörte auch der Kampf gegen Menschen, die als Gegner des Christentums galten.

Eine noch deutlichere Schattenseite war der Einsatz versklavter Menschen auf ihren Besitzungen im Osten. Der Historiker Dan Jones verweist zudem auf die Beteiligung der Templer am Sklavenhandel. Die Ordensvorschriften erlaubten es, versklavte Menschen mit Lederriemen zu schlagen. Der religiöse Charakter der Gemeinschaft verschaffte ihnen somit weder Freiheit noch Schutz vor Gewalt. Dieser Teil der Geschichte passt schlecht zu den Erzählungen über edle Hüter heiliger Geheimnisse.

Solche Handlungen müssen allerdings von den Vorwürfen unterschieden werden, die während der Auflösung des Ordens erhoben wurden. Nach den Verhaftungen in Frankreich 1307 wurden manche Aussagen unter Folter erzwungen. Anschuldigungen wegen Ketzerei werden nicht dadurch glaubwürdig, dass sie in einem Protokoll stehen. Eine kritische Beurteilung der Templer verlangt dieselbe Vorsicht wie die Bewertung ihrer angeblichen Schätze. Ein Dokument kann echt sein, während die darin geschilderte Geschichte weiterhin überprüft werden muss.

Templer

 

Der Heilige Gral der Templer – Mythos oder Wahrheit? Argumente dafür und dagegen

Es gibt keinen belastbaren Beleg dafür, dass die Templer den Heiligen Gral besaßen. Die Entwicklung der Legende lässt sich dagegen in der mittelalterlichen Literatur nachvollziehen. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts beschrieb Chrétien de Troyes ein geheimnisvolles Gefäß in seiner unvollendeten Erzählung über Perceval. Erst Robert de Boron stellte ausdrücklich die Verbindung zu Christus und Josef von Arimathäa her. Die heute vertraute Vorstellung einer heiligen Reliquie entstand also allmählich, mit den verschiedenen Fassungen der Geschichte.

Was verbindet die Templer mit dieser Erzählung? Eine wichtige Spur führt zu Wolfram von Eschenbachs "Parzival", der zu Beginn des 13. Jahrhunderts entstand. Der Dichter bezeichnete die Gralshüter als "Templeisen", was als Anspielung auf den Templerorden verstanden wurde. Diese literarische Parallele verdient durchaus Beachtung. Allerdings sind die Figuren des Werkes keine Zeugen einer historischen Entdeckung, und ihre Abenteuer ersetzen keine Dokumente. Außerdem ist Wolframs Gral ein Stein, kein Kelch. Schon hier weicht das vertraute Bild aus Filmen deutlich vom mittelalterlichen Text ab.

Was spricht für die Theorie? Ihre Anhänger verweisen vor allem auf die Anwesenheit der Templer in Jerusalem, nahe den Schauplätzen der biblischen Geschichte. Dort könnten sie mit alten Kultgegenständen in Berührung gekommen sein. Die Möglichkeit, irgendeine Reliquie zu finden, belegt jedoch noch keine Entdeckung des Grals. Diese Vermutung stützt sich auf den Aufenthaltsort des Ordens, nicht auf einen identifizierten Fund.

Die Gegenargumente wiegen schwerer. Die überlieferten Erzählungen beschreiben den Gral unterschiedlich, sodass schon unklar bleibt, nach welchem Gegenstand man überhaupt suchen müsste. Auch eine Übergabe an die Templer lässt sich daraus nicht historisch belegen. Die Verbindung zwischen den literarischen Gralshütern und dem tatsächlichen Orden bleibt eine Interpretation. Von einer ähnlichen Bezeichnung bis zu einem verborgenen Schatz ist es ein weiter Sprung. In einem sensationsorientierten Buch reicht dafür manchmal ein einziger Absatz.

Vorsicht verdient auch die bequeme Erklärung: "Es gibt keine Beweise, weil der Orden sein Geheimnis so gut bewahrte." Damit lässt sich jede beliebige Geschichte verteidigen, ohne sie überprüfen zu können. Der Gral hat einen nachweisbaren Platz in der Literaturgeschichte. Seine Anwesenheit in einer Schatzkammer der Templer bleibt dagegen eine unbestätigte Legende.

 

Die Schätze der Templer

Die Geschichten über Templerschätze lassen sich in zwei Gruppen einteilen. Die erste umfasst Legenden über verborgene Kostbarkeiten, nach denen bis heute gesucht wird. Die zweite führt zu tatsächlichen Funden und zu Besitz, der in historischen Dokumenten verzeichnet ist. Auch hier bleiben Fragen offen, besonders wenn der Eigentümer entdeckter Münzen bestimmt werden soll.

 

Mythen und Legenden über die Schätze der Templer

Unterirdische Räume einer Burg regen leicht die Fantasie an, besonders wenn sich dort einst Angehörige eines geheimnisvollen Ordens aufhielten. Manchmal begann eine Geschichte mit einem Gerücht, manchmal mit dem Bericht eines vermeintlichen Entdeckers. Die folgenden Erzählungen haben unterschiedliche Ursprünge. Keine führte jedoch zu einem bestätigten Fund der beschriebenen Schatzkammer.

  • Der Schatz unter der Burg Gisors in Frankreich

1946 behauptete der Burgaufseher Roger Lhomoy, eine unterirdische Kapelle mit Truhen entdeckt zu haben. Seine Erzählung beflügelte die Fantasie der Schatzsucher, zumal die Burg tatsächlich mit den Templern verbunden war. Die Ordensbrüder bewachten sie von 1158 bis 1160. Wesentlich später wurde dort der letzte Großmeister, Jacques de Molay, gefangen gehalten.

Gab es diese Truhen wirklich? Die Untersuchungen von 1964 bestätigten Lhomoys Bericht nicht. Darüber informierte damals eine Mitteilung des französischen Kulturministeriums. Die Burg stammt aus dem Mittelalter, doch die weithin bekannte Geschichte ihrer verborgenen Schatzkammer entwickelte sich erst im 20. Jahrhundert.

  • Über La Rochelle verschiffte Kostbarkeiten

Der Legende zufolge brachten die Templer ihren Schatz vor den Verhaftungen von 1307 auf dem Seeweg in Sicherheit. In der Erzählung ist von 18 Galeeren die Rede. Diese Zahl stammt aus der Aussage von Jean de Châlon, der sich auf Informationen vom Hörensagen berief. Er beschrieb weder seine eigene Teilnahme am Verladen noch an der Fahrt. Dieser Unterschied ist entscheidend.

Spätere Fassungen erwecken leicht den Eindruck, der Ablauf einer gut dokumentierten Flucht sei bekannt. Tatsächlich bleibt der Bericht über die Galeeren und das mitgenommene Vermögen eine unbestätigte Aussage aus zweiter Hand. Auch ein Versteck der Kostbarkeiten lässt sich daraus nicht ableiten.

  • Die Schatzkammer unter der schottischen Rosslyn Chapel

Diese Spur knüpft an die Geschichte von Flüchtlingen an, die den Reichtum des Ordens nach Schottland gebracht haben sollen. Später sei der Schatz unter der Rosslyn Chapel verborgen worden. Schwierigkeiten bereitet die zeitliche Abfolge: Der Bau der Kapelle begann 1446, also 134 Jahre nach der Auflösung des Ordens. Dieser Abstand allein schließt eine spätere Überführung von Gegenständen nicht aus. Dafür wären allerdings Belege nötig, die diese Geschichte nicht liefert. Die Gewölbe unter Rosslyn dienten als Begräbnisstätte der Familie St Clair. Ihre Existenz bestätigt keine Schatzkammer der Templer.

  • Das Gold der Templer auf Oak Island in Kanada

Hier macht die Legende ihren größten Sprung – über den Atlantik. Einer Theorie zufolge wurden die Kostbarkeiten des Ordens auf einer Insel in Nova Scotia verborgen. Die Templer wurden dabei Teil einer wesentlich umfangreicheren Erzählung über einen dort vermuteten Schatz. Es gibt jedoch keinen belastbaren Beleg dafür, dass sie Oak Island erreichten. Auch der Fund eines alten Gegenstands auf der Insel verrät für sich genommen nicht, wem er gehörte. Die Theorie über die Templer ist kein bestätigter archäologischer Befund.

  • Der Schatz von Chwarszczany

Chwarszczany im Nordwesten Polens war tatsächlich eine Niederlassung der Templer. Die erhaltene Kapelle ist ein sichtbares Zeugnis ihrer Anwesenheit. Mit diesem historischen Ort wurden jedoch Geschichten über verborgene Reichtümer verknüpft, unter anderem in einem unterirdischen Gang.

In Medienberichten über die Untersuchungen wurden Vermutungen zunehmend als sensationelle Entdeckungen dargestellt. Der Archäologe Przemysław Kołosowski wehrte sich gegen die verzerrte Wiedergabe seiner Aussagen. Ein Schatz des Templerordens wurde dort nicht nachgewiesen. Gerade hier ist Vorsicht angebracht: Tatsächliche Ausgrabungen machen nicht automatisch jede Geschichte über einen Tunnel glaubwürdig.

 

Gefundene Kostbarkeiten und dokumentierter Besitz

Nicht jede Spur endet bei einer Legende. Archäologen entdeckten Münzdepots an Orten, die mit den Templern verbunden waren. Zugleich verzeichneten die mit der Auflösung des Ordens beauftragten Beamten die beschlagnahmten Kostbarkeiten. So lassen sich tatsächliche Gegenstände benennen, auch wenn ihre Geschichte weniger spektakulär ist als die Erzählung von Truhen, die vor dem König versteckt wurden.

  • Ein Depot von Silbermünzen in Jerusalem

Im Bereich des ehemaligen Templersitzes, nahe dem südlichen Teil des Tempelbergs, wurde ein mittelalterlicher Hortfund von Silbermünzen entdeckt. Eine numismatische Veröffentlichung beschreibt unter anderem 74 Münzen aus Chartres und eine aus Blois, die den Großteil des Fundes ausmachen. Hier liegt also ein tatsächlich entdecktes Depot vor, das untersucht werden kann. Es bleibt nicht bei einem Bericht über Kostbarkeiten, die ein geheimnisvoller Zeuge gesehen haben will.

Gehörte es den Templern? Die Forscher Gabriela Glücksmann und Robert Kool vermuteten einen Zusammenhang mit den Bankgeschäften des Ordens. Diese Deutung greift auch der Historiker Benjamin Z. Kedar auf. Die Hypothese ist begründet, doch der Eigentümer der Münzen konnte nicht eindeutig bestimmt werden. Der Schatz wurde gefunden; seine Zuordnung zu den Templern bleibt eine Frage der Interpretation.

  • Silberne Becher und Löffel in englischen Inventaren

Kostbarkeiten der Templer wurden auch bei der Beschlagnahmung ihres Besitzes zu Beginn des 14. Jahrhunderts erfasst. Der Historiker Steve Tibble nennt den Fall Richards von Herdwick, dem zwei silberne Becher und zwölf silberne Löffel abgenommen wurden. Das war kein moderner archäologischer Fund, sondern die Beschlagnahmung von Gegenständen eines Ordensmitglieds. Die erhaltene Aufzeichnung belegt jedoch tatsächlichen Silberbesitz, ohne dass dafür eine Geschichte über ein unterirdisches Versteck nötig wäre.

  • Reliquiare und Silber aus dem Londoner Ordenssitz

Im Londoner New Temple verzeichneten Beamte Reliquiare und hochwertige Silberarbeiten. In der Sakristei befanden sich außerdem kostbare Stoffe und Gegenstände aus Elfenbein. Es war die Ausstattung einer wohlhabenden religiösen Gemeinschaft, die sowohl materiellen Wert als auch Bedeutung für ihre Mitglieder besaß. Solche Aufzeichnungen zeigen, dass Kostbarkeiten der Templer tatsächlich existierten und beschlagnahmt wurden. Sie bildeten jedoch keine Schatzkammer, die den späteren Erzählungen über unermesslichen Reichtum entsprach.

  • Der Besitz in Tomar, der nicht verschwand

Portugal liefert eine weniger spektakuläre, dafür besser dokumentierte Antwort auf die Frage nach dem Reichtum der Templer. Ihr dortiger Besitz wurde dem Christusorden übertragen, der auf Initiative von König Dionysius I. gegründet worden war. Tomar blieb ein wichtiger Schauplatz dieser Geschichte. Es besteht daher kein Grund anzunehmen, dass das gesamte Vermögen der Templer vor der Welt verborgen wurde. Ein Teil blieb unter der Verwaltung einer neuen Gemeinschaft erhalten.

  • Eine Truhe mit Dokumenten statt Gold

Es gibt auch einen Schatz, der sich weniger für einen Abenteuerfilm eignet. Das Inventar der englischen Niederlassung East Cowton vom 10. Januar 1308 nennt eine Truhe mit schottischen Urkunden der Templer. Die Historikerin Helen Nicholson beschreibt diesen Eintrag. Die Urkunden sicherten die Rechte des Ordens an seinen Besitzungen und waren deshalb von erheblichem Wert. Ihr weiterer Verbleib ist unklar. Das ist ein tatsächliches Rätsel mit schriftlicher Grundlage, auch wenn seine Lösung wohl keinen Berg von Goldmünzen zum Vorschein bringen wird.

Legenden um die Schätze der Templer

 

Wissenswertes über die Templer

Nicht jeder Templer trug einen weißen Mantel. Dieses Kleidungsstück war den Ritterbrüdern vorbehalten, während die dienenden Brüder schwarze oder braune Mäntel trugen. Die Gemeinschaft behielt damit eine Gliederung bei, die an die gesellschaftliche Stellung ihrer Mitglieder anknüpfte. Dienende Brüder konnten dennoch verantwortungsvolle Ämter übernehmen, auch bei der Verwaltung der Ordensbesitzungen. Das Bild einheitlich gekleideter Krieger aus Filmen vereinfacht diese Organisation erheblich.

Der Orden war auch kein Ort, an dem jeder beliebige Bewerber zum Ritter wurde. Wer als Ritterbruder aufgenommen werden wollte, musste bereits Ritter sein. Der Eintritt in den Templerorden ersetzte keinen Ritterschlag.

Und ihre berühmten militärischen Fähigkeiten? Sie machten die Befehlshaber nicht unfehlbar. Fehler des Großmeisters Gérard de Ridefort trugen zur verheerenden Niederlage der Kreuzfahrer bei Hattin im Jahr 1187 bei. Er war nicht allein dafür verantwortlich, aber ebenso wenig ein bloß hilfloser Zuschauer. Spätere Legenden erinnern sich leichter an den Mut eines Ordensbruders als an die Folgen seiner Entscheidungen.

Eine besonders unbequeme Lektüre ist das "Lob der neuen Ritterschaft" von Bernhard von Clairvaux, einem einflussreichen Unterstützer der Templer. Der Autor rechtfertigte das Töten von Gegnern zum Schutz der Christen als eine Handlung im Einklang mit Gottes Willen. Er schränkte ein, dass Töten vermieden werden müsse, wenn sich die Verfolgung der Gläubigen auf andere Weise verhindern lasse. Dennoch stellte er den Tod des Feindes als Anlass zum Ruhm dar. Diese Argumentation erlaubte es, Ordensleben und Gewalt miteinander zu vereinbaren, statt darin einen Widerspruch zu sehen.

Im selben Werk pries Bernhard die Wandlung von Menschen, die zuvor schwere Verfehlungen begangen hatten und anschließend die Verteidiger des Heiligen Landes verstärkten. Das ist lobende Rhetorik, kein Verzeichnis der Straftaten einzelner Templer. Es zeigt jedoch, dass selbst ihr Unterstützer nicht alle neuen Brüder als Menschen mit makelloser Vergangenheit darstellte. Für ihn zählte der Wechsel auf die Seite, für die sie nun kämpften.

 

FAQ – Häufig gestellte Fragen

Wer waren die Templer?
Die Templer gehörten einem katholischen Ritterorden an, der um 1119 in Jerusalem gegründet wurde. Anfangs schützten sie christliche Pilger, später wurden sie zu einer wichtigen militärischen Kraft der Kreuzfahrerstaaten.

Woher bezogen die Templer ihre Einnahmen?
Zu ihren Einnahmequellen gehörten unter anderem Grundbesitz und Handel. Ein weitverzweigtes Netz von Niederlassungen ermöglichte außerdem Finanzgeschäfte über große Entfernungen.

Wurden Schätze der Templer gefunden?
In Jerusalem wurde ein Depot von Silbermünzen entdeckt, das Forscher mit den Bankgeschäften der Templer in Verbindung brachten. Der Eigentümer dieses Schatzes konnte jedoch nicht eindeutig bestimmt werden.

Besaßen die Templer den Heiligen Gral?
Es gibt keinen belastbaren Beleg dafür, dass der Gral in ihrem Besitz war. Die Verbindung zwischen dem Orden und den Gralshütern beruht vor allem auf literarischen Parallelen.

Wurde unter der Burg Gisors ein Templerschatz gefunden?
Untersuchungen im Jahr 1964 bestätigten den Bericht des Burgaufsehers Roger Lhomoy über eine unterirdische Kapelle mit Truhen nicht. Die weithin bekannte Legende entwickelte sich erst im 20. Jahrhundert.

Was ist über den Abtransport des Templerschatzes aus La Rochelle bekannt?
Die Erzählung über die Flucht von 18 Galeeren beruht auf einer Aussage von Jean de Châlon, der Informationen vom Hörensagen weitergab. Sie ist kein bestätigter Bericht über einen Schatztransport.

Warum wird der Templerschatz mit der Rosslyn Chapel verbunden?
Der Legende zufolge brachten Flüchtlinge die Kostbarkeiten des Ordens nach Schottland. Der Bau der Kapelle begann jedoch 134 Jahre nach der Ordensauflösung, und die Überführung des Schatzes ist nicht dokumentiert.

Könnte sich ein Templerschatz in Chwarszczany befinden?
Chwarszczany war tatsächlich eine Niederlassung der Templer, doch ein Fund ihres Schatzes wurde dort nicht bestätigt. Die Geschichten über ein unterirdisches Versteck reichen über die archäologischen Erkenntnisse hinaus.

Was geschah mit dem Besitz der Templer in Portugal?
Der dortige Besitz der Templer wurde dem Christusorden übertragen, der auf Initiative von König Dionysius I. gegründet worden war. Ein Teil des Vermögens blieb somit unter der Verwaltung einer neuen Gemeinschaft erhalten.

 

Quellen

 

Lust auf mehr? Unsere anderen Artikel könnten Dich auch interessieren:

Kommentar schreiben

Gast

Senden

Hilfe