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Die schwächste Währung der Welt
Geld ist die Grundlage jeder Volkswirtschaft. Damit kaufst du Lebensmittel oder auch ein Auto. Jedes Land hat seine eigene Währung im Umlauf, und sie bestimmt, wie viel Arbeit, Waren oder Dienstleistungen dort tatsächlich wert sind. Die Unterschiede können enorm sein.
Was in einem Land wenig kostet, kann in einem anderen ein Luxusgut sein. Genau deshalb stellt sich die Frage: Welche Währung ist die billigste der Welt? Die Antwort ist nicht eindeutig, denn die Marktsituation ändert sich ständig. Dennoch lassen sich einige Beispiele nennen, die seit Jahren mit einem besonders niedrigen Wert verbunden sind.
Die billigste Währung der Welt
Wenn man sich die Ranglisten von Finanzinstitutionen und Börsenportalen ansieht, landet ein Land fast immer an der Spitze: der Iran. Die Währung heißt Iranischer Rial (IRR), und sie gehört seit vielen Jahren zu den absoluten Rekordhaltern, was den niedrigen Kurs betrifft. Ein US-Dollar entspricht etwa 42 000 Rial. Für jemanden aus Europa oder den USA wirken so viele Nullen auf einem Geldschein fast absurd. Für 12 Dollar hält man einen Geldstapel in der Hand, der eine halbe Million ausmacht.
Warum befindet sich ausgerechnet der Iran in dieser Lage? Es ist das Ergebnis vieler Faktoren. Vor allem langjährige Wirtschaftssanktionen, die das Land vom Weltmarkt abgeschnitten und die Währung massiv geschwächt haben. Hinzu kommt die Inflation – also der Kaufkraftverlust des Geldes. Im Iran war sie oft so hoch, dass sich die Preise von Woche zu Woche änderten. Und wenn die Inflation steigt, sinkt der Wert der Währung – eine einfache Abhängigkeit.
Zu beachten ist auch, dass es im Iran einen offiziellen Wechselkurs des Rial und einen Schwarzmarktkurs gibt. Letzterer weicht häufig stark vom offiziellen ab. Viele Einwohner und Unternehmer kaufen lieber Dollar oder Euro, weil sie stabiler sind. So hat der Iranische Rial den Ruf als billigste Währung der Welt erhalten.
Das bedeutet jedoch nicht, dass im Iran alles spottbillig wäre. Dieser Gedanke ist ein häufiger Irrtum. Wenn man für einen Dollar Tausende Rial bekommt, haben die Produkte in den Geschäften gleichzeitig Preise in Millionenhöhe. Für die Menschen vor Ort ist der Alltag keineswegs günstig. Niedrige Wechselkurse bedeuten also nicht automatisch, dass das Leben in einem Land extrem billig wäre – entscheidend ist, wie viel die Menschen verdienen und was die Waren tatsächlich kosten.
Weitere schwache Währungen
Neben dem Iranischen Rial, der fast immer die Ranglisten der schwächsten Währungen anführt, gibt es noch einige andere Beispiele mit sehr niedrigem Wert gegenüber dem US-Dollar oder dem Euro.
Eine davon ist der Vietnamesische Dong (VND). Seit Jahren liegt der Kurs auf einem Niveau, bei dem man für einen Dollar über zwanzigtausend Dong erhält – aktuell rund 26 000 VND. Das führt dazu, dass die Rechnungen im Alltag in Vietnam astronomisch aussehen: Ein Abendessen im Restaurant kann 200 000 Dong kosten, eine Flasche Wasser 10 000. Touristen sind anfangs oft schockiert, merken aber schnell, dass es umgerechnet in Euro gar nicht so viel ist.
Ähnlich ist es in Laos. Dort zahlt man mit dem Laotischen Kip (LAK). Für einen Dollar gibt es über 21 000 Kip. Große Zahlen auf den Banknoten sind also alltäglich. Viele Einheimische und Reisende greifen jedoch lieber auf Nachbarwährungen wie den Thailändischen Baht oder den US-Dollar zurück, weil diese stabiler und leichter zu tauschen sind.
Auch die Indonesische Rupiah (IDR) ist erwähnenswert. Ihr Kurs liegt seit Jahren bei rund 15 000 bis 16 000 Rupiah pro Dollar. Das bedeutet: Für ein Hotel in Indonesien können schnell eine halbe Million Rupiah fällig werden. Die Summen wirken riesig, sind aber in Wirklichkeit durchaus erschwinglich – man muss sich nur an die großen Zahlen gewöhnen.
Zur Gruppe der schwachen Währungen gehört zudem das Kolumbianische Peso (COP). Ein Dollar entspricht hier über 4 000 Peso. In Kolumbien gilt das jedoch nicht als Drama, denn die Wirtschaft entwickelt sich seit einigen Jahren stabil. Der niedrige Wert des Peso hängt eher mit der Geschichte und der Wirtschaftsstruktur zusammen als mit einer akuten Krise.
Was haben all diese Beispiele gemeinsam? Eine schwache Währung bedeutet nicht automatisch eine Katastrophe für die Wirtschaft. Oft liegt es an einer langen Inflationsgeschichte oder daran, dass die Regierungen es versäumt haben, eine Reform wie das Streichen von Nullen durchzuführen. Länder wie Vietnam, Indonesien oder Kolumbien entwickeln sich trotzdem dynamisch, auch wenn ihre Währungen in internationalen Rankings weit unten stehen.

Währungen, die einst nahezu wertlos waren
Die Finanzgeschichte ist reich an spektakulären Beispielen für Währungszusammenbrüche – Situationen, in denen Geld von einem Tag auf den anderen seine Kaufkraft verlor und praktisch wertlos wurde.
Am häufigsten wird das Deutschland der 1920er Jahre genannt. Nach dem Ersten Weltkrieg geriet die Inflation in der Weimarer Republik völlig außer Kontrolle. Um die Staatsschulden zu decken, druckte man Unmengen an Geldscheinen. Die Preise schossen in absurdem Tempo in die Höhe: Ein Brot, das zunächst ein paar Mark kostete, war wenige Monate später Millionen wert. Berühmt sind Fotos, auf denen Kinder mit Geldbündeln spielen oder Erwachsene ihre Scheine in Schubkarren transportieren.
Ein weiteres extremes Beispiel waren die ungarischen Pengő nach dem Zweiten Weltkrieg. Sie gingen als die Währung mit der höchsten jemals gemessenen Inflation in die Geschichtsbücher ein. Die Preise stiegen so schnell, dass ständig neue Banknoten mit immer höheren Nennwerten gedruckt werden mussten – und trotzdem fehlte Bargeld. Schließlich führte man den Forint ein und begann von vorn.
In jüngerer Zeit ist Simbabwe ein Paradebeispiel. Zwischen 2000 und 2010 verlor der Simbabwe-Dollar rasant an Wert. Es wurden sogar Banknoten mit einem Nennwert von 100 Billionen herausgegeben – und dennoch reichte das Geld nur für ein paar Grundnahrungsmittel. Am Ende gab die Regierung die eigene Währung auf und ließ US-Dollar sowie andere Fremdwährungen zu.
Ein ähnlicher Kollaps traf Jugoslawien in den 1990er Jahren. Die Kriege auf dem Balkan und der Zerfall des Staates machten den Jugoslawischen Dinar nahezu wertlos. Viele Menschen horteten Waren, wechselten ihre Ersparnisse in Dollar oder griffen auf Tauschhandel zurück.
All diese Fälle zeigen: Keine Währung ist dauerhaft sicher. Auch das heute stabile Euro, der US-Dollar oder der Schweizer Franken könnten in Schwierigkeiten geraten, wenn Krieg, Wirtschaftskrise und politisches Chaos zusammentreffen würden. Geld ist letztlich ein gesellschaftlicher Vertrag. Bricht das Vertrauen weg, verschwindet eine Währung schneller, als man denkt.
Ursachen für den Wertverlust von Geld
Warum kommt es überhaupt zu Situationen, in denen eine Währung fast wertlos wird? Selten ist es nur ein einzelner Grund – meist ist es eine Kombination mehrerer Faktoren, die sich gegenseitig verstärken.
Am häufigsten wird die Inflation genannt. Sie ist ein natürlicher Prozess: In den meisten Ländern steigen die Preise von Jahr zu Jahr leicht an. Doch wenn Regierungen die Kontrolle verlieren und anfangen, Geld ohne Deckung zu drucken, gerät die Inflation außer Kontrolle und schlägt in eine Hyperinflation um. Dann verliert das Geld buchstäblich von einem Tag auf den anderen an Wert.
Hinzu kommen Kriege und Konflikte. Jeder Krieg verursacht enorme Kosten. Geld wird für Armeen, Ausrüstung und Wiederaufbau benötigt, während gleichzeitig Produktion und Export einbrechen. Das führt dazu, dass die Währung rasch abwertet. So war es etwa in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg oder in Jugoslawien nach dem Zerfall.
Ein weiterer Grund sind internationale Sanktionen. Wird ein Land vom globalen Handel abgeschnitten, verliert seine Währung schnell das Vertrauen. Ein Beispiel dafür ist der Iran mit seinem Rial. Fehlende Möglichkeiten für freien Handel und Austausch treiben den Kurs nach unten.
Nicht zu unterschätzen ist auch eine schlechte Wirtschaftspolitik. Missmanagement, Korruption, fehlende Reformen und Entscheidungen, die aus politischen statt aus wirtschaftlichen Motiven getroffen werden, schwächen jede Währung. Typische Fehler sind das exzessive Drucken von Geldscheinen oder das Verteilen von Subventionen ohne realwirtschaftliche Grundlage – beides endet meist in einer Krise.
Auch die Erwartungen der Bevölkerung spielen eine Rolle. Wenn die Menschen das Vertrauen in die Währung verlieren, wechseln sie in Dollar, Euro, Gold oder investieren in langlebige Güter – Hauptsache, sie vermeiden Ersparnisse in der lokalen Währung. Das beschleunigt den Abwertungsprozess zusätzlich, weil die Währung ihre zentrale Funktion als Wertaufbewahrungsmittel verliert.
Kurz gesagt: Eine Währung bricht zusammen, wenn ein Staat das Vertrauen seiner Bürger und der internationalen Märkte verspielt. Mal sind Kriege die Ursache, mal Sanktionen oder Fehlentscheidungen in der Politik. Doch das Ergebnis ist immer dasselbe: Das Geld hört auf, seine Rolle zu erfüllen, und die Wirtschaft sucht Zuflucht in anderen Währungen oder in tiefgreifenden Reformen.
Wie Länder den Wert ihrer Währung verteidigen
Staaten, die mit einer Währungskrise konfrontiert sind, sitzen selten untätig da. Der Versuch, das Geld zu stabilisieren, kann viele Formen annehmen – von wirtschaftlichen Reformen bis hin zu drastischen politischen Entscheidungen.
Eine der häufigsten Maßnahmen ist die Denomination, also das Streichen von Nullen auf den Banknoten. Wenn die Inflation dafür sorgt, dass Preise in Millionenhöhe angegeben werden, führen Regierungen eine neue Version der Währung ein. Beispiele dafür sind Ungarn, Deutschland oder Brasilien. Auch Polen führte 1995 eine solche Reform durch: Aus 10 000 alten Złoty wurde 1 neuer Złoty. Die Denomination löst das Problem zwar nicht an der Wurzel, erleichtert aber den Alltag und vermittelt psychologisch das Gefühl eines „Neuanfangs“.
Ein anderes Mittel ist die Einführung einer Fremdwährung. Simbabwe gab seine eigene Währung zeitweise auf und nutzte stattdessen den US-Dollar sowie den Südafrikanischen Rand. Ähnliche Wege gingen mehrere Länder Lateinamerikas, die teilweise oder vollständig auf den Dollar umstiegen. Das stabilisiert zwar die Wirtschaft, nimmt dem Staat jedoch die Kontrolle über die eigene Geldpolitik.
Eine klassischere Methode ist die Anhebung der Leitzinsen. Damit versucht die Zentralbank, die Inflation zu bremsen, indem Sparen in der Landeswährung attraktiver gemacht wird. Das kann wirken, führt jedoch häufig zu einer Verlangsamung des Wirtschaftswachstums und steigender Arbeitslosigkeit.
Wichtig ist auch die Kontrolle des Haushaltsdefizits. Wenn ein Staat seine Ausgaben reduziert und die öffentlichen Finanzen reformiert, gewinnt er das Vertrauen der Märkte zurück. Das ist ein langsamer, aber langfristig wirksamer Prozess.
Manche Länder greifen zudem zu Devisenkontrollen, etwa indem sie den Kauf und Verkauf von Dollar oder Euro einschränken. In der Praxis führt das jedoch oft zur Entstehung eines Schwarzmarkts und lindert das Problem nur vorübergehend.
Das letzte Mittel ist eine umfassende Finanzreform. Dazu gehören die Einführung einer neuen Währung, eine wirtschaftliche „Grundgesetzgebung“ oder die Schaffung einer unabhängigen Zentralbank. Solche Schritte sind aufwendig und dauern lange, haben aber in vielen Fällen ganze Volkswirtschaften vor dem Zusammenbruch bewahrt.
Am Ende gilt: Der Kampf um den Wert einer Währung ist immer ein Kampf um Vertrauen. Wenn Bevölkerung und internationale Investoren überzeugt sind, dass die Regierung einen Plan hat und ihn umsetzen kann, gewinnt die Währung an Stabilität. Fehlt dieses Vertrauen, helfen auch die besten buchhalterischen Tricks und neue Banknoten nicht weiter.
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