Inhalt
- Lead Time
- Lead Time – was bedeutet das eigentlich?
- Lead Time im Projektmanagement – Formel
- Beispiele für Lead Time in der Produktion
- Beispiele für Lead Time in Dienstleistungen
- Beispiele für Lead Time im E-Commerce
- Beispiele für Lead Time in der Logistik
- Wie lässt sich die Lead Time verkürzen? Beispiele
- Lead Time und Bearbeitungszeit einer Bestellung – ist das dasselbe?
- Lead Time – wie sagt man das auf Deutsch?
- Lead Time vs. Cycle Time vs. Takt Time – die Unterschiede
- FAQ – häufig gestellte Fragen
Lead Time
Manchmal bestellst Du etwas und bekommst es sofort. Ein anderes Mal vergeht ein Tag, zwei … und manchmal sogar mehrere Wochen. Wovon hängt das ab? Genau davon, wie lange der gesamte Prozess im Hintergrund dauert. Und hier kommt der Begriff Lead Time ins Spiel – oft kaum sichtbar, aber entscheidend dafür, wann Du das Ergebnis wirklich in den Händen hältst.
Man muss weder in der Logistik noch in der Produktion arbeiten, um damit in Berührung zu kommen. Eine einfache Bestellung, eine Reparatur oder eine Dienstleistung reichen völlig aus.
Wichtigste Infos auf einen Blick
- Lead Time ist die Zeit vom Start bis zum Abschluss eines Prozesses – vollständig gemessen, ohne einzelne Schritte auszulassen.
- In der Produktion kann die Lead Time z. B. 10 Tage betragen, obwohl die eigentliche Arbeit nur 2 Tage dauert.
- In Dienstleistungen entfällt ein großer Teil der Zeit auf Warten – etwa auf Entscheidungen oder Rückmeldungen.
- Im E-Commerce umfasst die Lead Time Kommissionierung, Verpackung und Lieferung – meist 1 bis 5 Tage.
- In der Logistik zählt der gesamte Warenfluss, nicht nur der Transport.
- Eine kürzere Lead Time entsteht oft durch weniger Stillstand – nicht unbedingt durch schnelleres Arbeiten.
- Die Lead Time ist umfassender als die reine Bearbeitungszeit einer Bestellung und schließt auch frühere Phasen ein.
Lead Time – was bedeutet das eigentlich?
Dieser Begriff taucht überall dort auf, wo etwas erledigt und rechtzeitig geliefert werden muss. In der Produktion, in Projekten, bei Bestellungen – aber auch in ganz normalen Alltagssituationen. Lead Time ist die Zeit vom Beginn bis zum Abschluss eines bestimmten Prozesses.
Vom „Start“ bis „fertig“.
Wichtig ist vor allem eines: Es zählt die gesamte Strecke. Nicht nur die eigentliche Arbeit, sondern auch Pausen, Wartezeiten und Stillstände. Alles, was zwischen Anfang und Ende passiert.
Ein einfaches Beispiel. Du bestellst eine Jacke online. Du klickst, bezahlst und ab diesem Moment läuft die Zeit. Die Bestellung landet im System, wird zusammengestellt, verpackt und an den Versand übergeben. Das Paket ist unterwegs, bleibt manchmal im Verteilzentrum hängen und kommt schließlich bei Dir an. Mit der Zustellung ist der Prozess abgeschlossen. Genau dieser Zeitraum ist die Lead Time.
Ein ähnliches Muster findest Du in vielen Situationen. Du gibst Dein Smartphone zur Reparatur ab – gezählt wird vom Abgeben bis zur Abholung. Du beauftragst ein Webdesign – vom ersten Kontakt bis zum fertigen Ergebnis. Selbst Essen zum Mitnehmen lässt sich so betrachten.
Interessant ist, dass oft der größte Teil dieser Zeit nicht aus aktiver Arbeit besteht, sondern aus Warten. Ein Auftrag landet in der Warteschlange. Ein Bauteil fehlt. Eine Entscheidung steht noch aus. Und plötzlich dauert die eigentliche Umsetzung vielleicht eine Stunde, während der gesamte Prozess mehrere Tage umfasst.
Man kann das mit einer Reise vergleichen. Es zählt nicht nur die Fahrt selbst, sondern auch Stopps, Ampeln und Umwege. Erst alles zusammen ergibt das Gesamtbild.
Genau deshalb liefert die Lead Time einen deutlich besseren Überblick als nur das Arbeitstempo. Sie zeigt, wie lange es wirklich dauert, von Punkt A nach Punkt B zu kommen.
Im nächsten Abschnitt siehst Du, wie die Lead Time im Projektmanagement eingesetzt wird und wie man sie berechnet.
Lead Time im Projektmanagement – Formel
In Projekten dreht sich alles um Zeit. Deadlines, einzelne Phasen, Abhängigkeiten … genau hier gewinnt die Lead Time stark an Bedeutung.
Lead Time = Enddatum - Startdatum
Du nimmst den Moment, in dem eine Aufgabe beginnt, und den Zeitpunkt, an dem sie abgeschlossen ist – die Differenz ergibt die gesamte Dauer des Prozesses.
Angenommen, ein Webprojekt startet am 1. März und endet am 15. März. Die Lead Time beträgt dann 14 Tage. Aber das ist nur ein Teil des Gesamtbildes, denn dazwischen passiert mehr.
Ein Projekt kann zum Beispiel so ablaufen:
- Start der Arbeiten.
- Entwicklung des Konzepts.
- Warten auf Feedback.
- Anpassungen.
- Erneutes Warten.
- Finalisierung.
Und hier kommt der entscheidende Punkt – die Lead Time umfasst all diese Phasen, auch dann, wenn ein Teil davon reines Warten auf eine Rückmeldung ist.
Genau das unterscheidet sie von anderen Zeitkennzahlen. Der Fokus liegt nicht nur auf der aktiven Arbeit, sondern auf dem gesamten Ablauf. Manchmal wirkt das überraschend. Eine Aufgabe, die tatsächlich nur 6 Stunden Arbeit erfordert, kann eine Lead Time von 5 Tagen haben. Der Grund liegt in den Pausen zwischen den einzelnen Schritten.
Was verlängert Projekte also wirklich? Häufig sind es fehlende schnelle Entscheidungen, lange Wartezeiten auf Freigaben, Aufgabenstau oder eine überlastete Auslastung im Team. Es ist also nicht die Arbeit selbst, sondern das, was dazwischen passiert.
Deshalb achten Projektverantwortliche besonders auf die Lead Time und nicht nur auf die reine Bearbeitungszeit. Erst dadurch wird sichtbar, an welcher Stelle Zeit verloren geht.
Beispiele für Lead Time in der Produktion
In der Produktion lässt sich die Lead Time besonders gut erkennen. Jeder Schritt hat seinen festen Platz und seine eigene Dauer, und der gesamte Ablauf funktioniert wie eine Kette – ein Element hängt vom nächsten ab. Interessant dabei ist, dass nicht immer die eigentliche Herstellung am meisten Zeit beansprucht.
Stell Dir eine Möbelfabrik vor. Ein Kunde bestellt einen Tisch. Zuerst wird geprüft, ob die Materialien verfügbar sind. Fehlt etwas, muss auf die Lieferung gewartet werden. Danach folgen die einzelnen Schritte: Zuschnitt, Montage, Lackierung. Das fertige Produkt wird anschließend eingelagert und schließlich versendet.
Vom Zeitpunkt der Bestellung bis zur Lieferung vergehen zum Beispiel 10 Tage. Genau diese 10 Tage bilden die Lead Time.
Spannend wird es, wenn man genauer hinschaut. Die eigentliche Produktion kann nur 2 Tage dauern. Der Rest? Warten. Auf Materialien, auf freie Kapazitäten in der Fertigung, auf den Transport. Und plötzlich zeigt sich, dass die größte Auswirkung auf die Gesamtdauer genau dort entsteht, wo gerade nichts passiert.
Ein ähnliches Bild ergibt sich in der Bekleidungsbranche. Das Design eines T-Shirts ist schnell erstellt, doch bis es beim Kunden ankommt, durchläuft es mehrere Schritte. Zuerst die Produktionsvorbereitung, dann das Nähen, die Qualitätskontrolle, das Verpacken und schließlich der Versand. Jeder dieser Schritte dauert seine Zeit, doch die Pausen dazwischen verlängern den gesamten Prozess deutlich.
Noch ein Beispiel ist die Elektronikfertigung. Hier spielen Bauteile eine entscheidende Rolle. Fehlt nur ein einziges Teil, kann die gesamte Produktion stillstehen. In solchen Fällen verlängert sich die Lead Time nicht wegen langsamer Arbeit, sondern weil ein fehlendes Element den gesamten Ablauf blockiert.
Das zeigt sehr klar: Die Lead Time in der Produktion hängt nicht nur vom Arbeitstempo ab, sondern vor allem von der Organisation des gesamten Prozesses. Selbst mit modernen Maschinen und einem eingespielten Team kann die Dauer lang sein – wenn irgendwo im Ablauf ein Engpass entsteht.
Im nächsten Abschnitt geht es in den Bereich Dienstleistungen. Dort sieht alles etwas anders aus, doch das Grundprinzip bleibt gleich.
Beispiele für Lead Time in Dienstleistungen
Im Dienstleistungsbereich sieht die Lead Time etwas anders aus als in der Produktion. Es gibt kein physisches Produkt, kein Lager und keinen Transport – und trotzdem zieht sich die Zeit oft länger hin, als man denkt.
Stell Dir einen Friseurbesuch vor. Du rufst am Montag an, der nächste freie Termin ist am Donnerstag. Die Behandlung selbst dauert vielleicht eine Stunde, aber vom Zeitpunkt der Terminvereinbarung bis zum Verlassen des Salons vergehen drei Tage. Genau das ist Deine Lead Time.
Oder ein Grafikprojekt. Du schreibst einem Designer, ihr besprecht die Details, danach wartest Du auf den ersten Entwurf. Nach ein paar Tagen bekommst Du ihn, gibst Feedback, dann folgt wieder eine kurze Pause … bis schließlich die fertige Version vorliegt. Die gesamte Zeit – von der ersten Nachricht bis zum finalen Ergebnis – ergibt die Lead Time.
Ein interessanter Punkt: In Dienstleistungen spielt Kommunikation eine enorme Rolle. Zeit entsteht nicht nur durch die eigentliche Arbeit, sondern auch durch Antworten, Abstimmungen und Entscheidungen. Eine Nachricht am Abend kann bedeuten, dass die Antwort erst am nächsten Tag kommt. Und so vergeht Tag für Tag.
Ähnlich ist es im IT-Bereich. Du meldest eine Änderung an einer Website. Ein Entwickler benötigt vielleicht nur wenige Stunden für die Umsetzung, doch bevor er beginnt, landet die Aufgabe in einer Warteschlange. Danach wird sie geprüft, freigegeben und getestet. Aus wenigen Stunden Arbeit werden plötzlich mehrere Tage Gesamtzeit.
Gerade hier zeigt sich deutlich: Lead Time umfasst nicht nur die eigentliche Leistung, sondern alles, was rundherum passiert. Termine, Verfügbarkeit und Kommunikation entscheiden oft darüber, wie lange der gesamte Prozess dauert.
Im nächsten Abschnitt geht es um den E-Commerce – dort zählt oft jede Stunde, und für den Kunden steht vor allem eine Frage im Mittelpunkt: Wann kommt die Lieferung an?
Beispiele für Lead Time im E-Commerce
Im Onlinehandel spielt die Lead Time eine große Rolle. Alles läuft schnell ab, und die Erwartungen der Kunden sind oft noch schneller. Du bestellst, bezahlst – und sofort taucht die Frage auf: Wann kommt das Paket an?
Ein einfaches Beispiel. Du bestellst Kopfhörer in einem Onlineshop. Die Bestellung geht ins System ein, das Lager bekommt die Information, jemand stellt die Ware zusammen, verpackt sie und übergibt sie dem Versanddienstleister. Danach folgen Transport, Verteilzentrum und Zustellung. Wenn das Ganze zwei Tage dauert, entspricht das Deiner Lead Time.
Doch nicht immer läuft alles so reibungslos.
Manchmal ist ein Produkt sofort verfügbar, und alles funktioniert ohne Verzögerung. In anderen Fällen steht dort „Versand in 5 Tagen“. Was bedeutet das? Ein Teil des Prozesses hat noch gar nicht begonnen – zum Beispiel wartet der Shop noch auf die Lieferung vom eigenen Lieferanten. Dadurch verlängert sich die Lead Time automatisch.
Spannend wird es auch bei personalisierten Bestellungen. Ein T-Shirt mit Aufdruck, eine Tasse mit Namen oder ein individuell gestaltetes Poster. Zuerst muss das Design erstellt werden, danach die Produktion, anschließend Verpackung und Versand. Jeder einzelne Schritt kostet Zeit.
Und dann ist da noch die Logistik. Selbst wenn ein Paket am selben Tag das Lager verlässt, kann es unterwegs aufgehalten werden – im Verteilzentrum, in einer regionalen Station oder auf der Strecke. Eine kleine Verzögerung reicht aus, und der gesamte Ablauf dauert länger.
Deshalb achten Onlineshops sehr genau auf die Lead Time. Für den Kunden zählt vor allem eines – wann die Bestellung ankommt. Was im Hintergrund passiert, spielt kaum eine Rolle.
Hier zeigt sich deutlich der Unterschied zwischen schnellem Arbeiten und einer kurzen Gesamtzeit. Ein Shop kann effizient arbeiten, doch wenn sich ein einzelner Schritt verzögert, wird das sofort als längere Wartezeit wahrgenommen.
Im nächsten Abschnitt geht es um die Logistik – ein Bereich, in dem die Lead Time oft darüber entscheidet, ob alles reibungslos läuft oder ins Stocken gerät.
Beispiele für Lead Time in der Logistik
In der Logistik kann die Lead Time entscheidend sein. Hier dreht sich alles um Zeit – Lieferungen, Umladungen, Routen, Zeitfenster. Eine einzige Verzögerung reicht aus, und schon verschiebt sich die gesamte Kette.
Stell Dir einen Transport von einem Lager zu einem Kunden vor. Der Auftrag wird im System erfasst, der Transport wird organisiert, ein Fahrer holt die Ware ab, ist unterwegs, macht Zwischenstopps und liefert schließlich aus. Wenn der gesamte Ablauf zwei Tage dauert, entspricht das der Lead Time dieser Lieferung.
Doch das ist nur ein Teil des Gesamtbildes. Häufig geht die Ware zunächst in ein Verteilzentrum. Dort wird sie entladen, sortiert und wartet auf den Weitertransport. Jeder zusätzliche Schritt verlängert die Zeit. Und selbst wenn die Fahrtstrecken kurz sind, kann sich der gesamte Ablauf durch Wartezeiten deutlich ausdehnen.
Ein gutes Beispiel sind große Lager. Die Ware kommt morgens an, wird aber nicht sofort weitergeschickt. Zuerst wird sie im System erfasst, eingelagert und für die Kommissionierung vorbereitet. Währenddessen vergeht Zeit, auch wenn nach außen wenig passiert.
Es gibt auch Situationen, in denen alles von einem einzigen Faktor abhängt. Eine verspätete Lieferung, fehlende Unterlagen oder eine Warteschlange beim Entladen. Und plötzlich werden aus wenigen Stunden mehrere Tage. Genau hier zeigt sich, dass die Lead Time in der Logistik nicht nur die reine Fahrzeit umfasst, sondern den gesamten Warenfluss.
Deshalb analysieren Logistikunternehmen jeden einzelnen Schritt. Wo entstehen Wartezeiten, wo kommt es zu Stillständen, wo lässt sich etwas beschleunigen? Denn schon eine kleine Verbesserung kann den gesamten Ablauf deutlich verkürzen.
Im nächsten Abschnitt geht es darum, wie sich die Lead Time konkret reduzieren lässt.

Wie lässt sich die Lead Time verkürzen? Beispiele
Die Verkürzung der Lead Time ist ein wenig wie das Aufräumen eines überfüllten Schreibtischs. Am Anfang wirkt alles in Ordnung, doch erst bei genauerem Hinsehen erkennt man, wo Zeit verloren geht. Und oft ist das nicht dort, wo man es vermutet.
Der erste Gedanke? „Man muss schneller arbeiten.“ Doch schnell zeigt sich, dass die Ursache ganz woanders liegt.
Ein einfaches Beispiel aus dem E-Commerce. Ein Shop versendet Pakete innerhalb von 24 Stunden, aber Bestellungen werden erst am nächsten Tag bearbeitet. Warum? Weil sie manuell gesammelt und nur einmal täglich weitergeleitet werden. Wird dieser eine Schritt angepasst, verkürzt sich die gesamte Lead Time sofort um einen ganzen Tag.
Oder die Produktion. Maschinen laufen effizient, das Team kennt seine Aufgaben – und trotzdem entstehen zwischen den einzelnen Schritten Warteschlangen. Bauteile warten, weil alles in großen Chargen abgearbeitet wird. Eine Umstellung auf kleinere Serien kann die Gesamtdauer deutlich verkürzen, ohne dass schneller gearbeitet werden muss.
In Dienstleistungen liegt die Ursache oft in der Kommunikation. Ein Projekt verzögert sich nicht, weil niemand daran arbeitet, sondern weil auf eine Antwort gewartet wird. Eine tägliche Entscheidung statt einer alle drei Tage – und plötzlich verschwinden mehrere Tage aus der gesamten Dauer.
Manchmal hilft schon etwas sehr Einfaches: mehr Transparenz im Prozess. Wenn klar ist, in welchem Stadium sich eine Aufgabe befindet, lassen sich Stillstände schneller erkennen. Und sobald sie sichtbar sind, kann man gezielt eingreifen.
In der Logistik spielt Planung eine große Rolle. Bessere Routen, weniger unnötige Umladungen, schnellere Weitergabe von Dokumenten. Kleine Anpassungen, die sich im Ergebnis deutlich bemerkbar machen.
Lässt sich die Lead Time immer verkürzen? Nicht unbedingt. Es gibt Grenzen – etwa durch Materialverfügbarkeit, feste Termine oder Entfernungen. Doch in vielen Fällen lässt sich ein Teil der Zeit zurückgewinnen, wenn man weiß, wo man ansetzen muss.
Und genau hier zeigt sich ein wichtiger Punkt: Die größte Verbesserung entsteht nicht durch schnelleres Arbeiten, sondern durch das Reduzieren von Wartezeiten.
Im nächsten Abschnitt geht es um einen Punkt, der oft für Verwirrung sorgt – den Unterschied zwischen Lead Time und der Bearbeitungszeit einer Bestellung.
Lead Time und Bearbeitungszeit einer Bestellung – ist das dasselbe?
Auf den ersten Blick wirkt es so, als wäre beides identisch. In beiden Fällen geht es schließlich um die Zeit von Anfang bis Ende. Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich ein Unterschied – und der ist entscheidend.
Die Lead Time umfasst den gesamten Prozess, von der ersten Bedarfserkennung bis zur finalen Umsetzung. Es zählt also alles – von der Entscheidung über die Vorbereitung bis hin zum fertigen Ergebnis.
Die Bearbeitungszeit einer Bestellung bezieht sich dagegen meist nur auf einen bestimmten Abschnitt. Sie beginnt in der Regel mit der Annahme der Bestellung und endet mit deren Ausführung oder Lieferung.
Ein Beispiel macht den Unterschied klar. Du bestellst ein Produkt in einem Onlineshop. Zuerst vergleichst Du Angebote, überlegst und triffst schließlich eine Entscheidung. Danach nimmt der Shop die Bestellung an, bereitet sie vor und verschickt sie.
In diesem Fall:
- Die Lead Time beginnt mit der Kaufentscheidung und endet mit der Lieferung.
- Die Bearbeitungszeit startet erst mit der Annahme der Bestellung und endet mit dem Versand oder der Zustellung.
Damit ist die Lead Time umfassender. Sie schließt auch die früheren Phasen ein, die oft gar nicht sichtbar sind.
Ein ähnliches Bild ergibt sich in Projekten. Ein Kunde äußert einen Bedarf, danach folgen Abstimmungen, Planung und Vorbereitung. Erst dann beginnt die eigentliche Umsetzung. Die Bearbeitungszeit umfasst nur diesen letzten Abschnitt, während die Lead Time den gesamten Ablauf abbildet.
Interessant wird es, wenn man zwei Projekte vergleicht. Beide können die gleiche Bearbeitungszeit haben, aber eine völlig unterschiedliche Lead Time. Der Grund: Ein Projekt startet sofort, das andere wartet mehrere Tage auf eine Entscheidung.
Genau deshalb wird bei der Analyse von Prozessen häufig die Lead Time betrachtet. Sie zeigt das vollständige Bild – nicht nur die Ausführung, sondern auch alles, was davor passiert.
Lead Time – wie sagt man das auf Deutsch?
Das ist einer dieser Begriffe, die oft einfach im Original verwendet werden. In Unternehmen, in E-Mails, in Systemen – überall taucht Lead Time in genau dieser Form auf. Doch wenn man versucht, das Ganze ins Deutsche zu übersetzen, erscheinen schnell unterschiedliche Varianten.
Am häufigsten wird der Begriff mit Durchlaufzeit übersetzt. In vielen Situationen passt das sehr gut. Wenn Du etwas bestellst oder eine Dienstleistung beauftragst, beschreibt dieser Ausdruck die Zeit bis zum fertigen Ergebnis.
Manchmal wird auch von Zykluszeit gesprochen. Dieser Begriff kommt vor allem in der Produktion oder in der Prozessanalyse vor. Er legt den Fokus auf Wiederholungen – ein Ablauf beginnt, endet und startet dann erneut.
Eine weitere Variante ist Wartezeit, wobei diese eher einen Teil des Ganzen beschreibt. Hier steht vor allem im Vordergrund, wie lange man warten muss, nicht der komplette Ablauf.
Und genau hier entsteht eine kleine Unklarheit. Keine dieser Übersetzungen deckt die Bedeutung von Lead Time vollständig ab. Jede beschreibt nur einen bestimmten Abschnitt.
Deshalb bleibt in vielen Unternehmen der englische Begriff bestehen. Er ist kürzer, klarer und muss nicht jedes Mal neu erklärt werden.
Am einfachsten ist es also, sich eine Sache zu merken. Wenn Du Lead Time siehst, geht es immer um die gesamte Zeit vom Start bis zum Abschluss eines Prozesses – unabhängig davon, wie der Begriff im Detail übersetzt wird.
Lead Time vs. Cycle Time vs. Takt Time – die Unterschiede
Diese drei Begriffe tauchen oft gemeinsam auf. Kein Zufall – alle beziehen sich auf Zeit. Das Problem: Sie wirken auf den ersten Blick sehr ähnlich und werden deshalb leicht verwechselt. Dabei zeigt jeder etwas anderes.
Fangen wir mit der Lead Time an. Sie umfasst den gesamten Zeitraum vom Anfang bis zum Ende eines Prozesses. Von der ersten Bedarfserkennung bis zur finalen Umsetzung. Alles zählt mit – auch Wartezeiten und Stillstände.
Die Cycle Time ist deutlich enger gefasst. Sie betrachtet nur die tatsächliche Arbeitszeit, also den Zeitraum vom Start der Tätigkeit bis zu ihrem Abschluss – ohne Unterbrechungen. Wenn etwas real 2 Stunden bearbeitet wird, beträgt die Cycle Time genau diese 2 Stunden, auch wenn der gesamte Prozess mehrere Tage dauert.
Bleibt noch die Takt Time. Sie beschreibt eher den Arbeitsrhythmus. Genauer gesagt, wie häufig ein Produkt fertiggestellt oder eine Dienstleistung erbracht werden muss, um die Nachfrage zu erfüllen.
Das lässt sich einfach zusammenfassen:
- Lead Time – Gesamte Zeit vom Anfang bis zum Ende eines Prozesses, inklusive Wartezeiten.
- Cycle Time – Reine Arbeitszeit ohne Unterbrechungen.
- Takt Time – Erforderliches Tempo, um die Nachfrage zu decken.
Stell Dir die Zubereitung von Sandwiches vor. Ein Kunde wartet 10 Minuten auf seine Bestellung – das ist die Lead Time. Die eigentliche Zubereitung dauert 3 Minuten – das ist die Cycle Time. Kommt alle 2 Minuten eine neue Bestellung, gibt die Takt Time den Arbeitsrhythmus vor.
Diese drei Begriffe stehen nicht im Wettbewerb zueinander. Sie ergänzen sich. Zusammen zeigen sie ein vollständiges Bild – vom Arbeitstempo über die tatsächliche Bearbeitungszeit bis hin zur gesamten Dauer aus Sicht des Kunden.
FAQ – häufig gestellte Fragen
Was ist Lead Time?
Lead Time ist die Zeit vom Beginn bis zum Abschluss eines Prozesses und umfasst sowohl aktive Arbeit als auch Wartezeiten.
Wie berechnet man die Lead Time?
Man zieht einfach das Startdatum vom Enddatum des jeweiligen Prozesses ab.
Worin liegt der Unterschied zwischen Lead Time und Bearbeitungszeit einer Bestellung?
Die Lead Time umfasst den gesamten Prozess, während sich die Bearbeitungszeit nur auf den letzten Abschnitt bezieht.
Was beeinflusst die Länge der Lead Time?
Häufig sind es Stillstände, Warteschlangen, fehlende Entscheidungen oder Verzögerungen bei Lieferungen.
Wie kann man die Lead Time verkürzen?
Vor allem durch weniger Wartezeiten zwischen den einzelnen Schritten und eine bessere Organisation des Ablaufs.
Betrifft Lead Time nur die Produktion?
Nein, sie spielt auch in Dienstleistungen, im E-Commerce, in der Logistik und in Projekten eine wichtige Rolle.
Was ist Cycle Time?
Die Cycle Time beschreibt die tatsächliche Arbeitszeit ohne Unterbrechungen.
Was ist Takt Time?
Die Takt Time gibt das Tempo vor, das nötig ist, um die Nachfrage zu erfüllen.


Kommentar schreiben