Im Ausland geliehen – wer schuldet wem Geld?
Auslandsverschuldung bezeichnet offene Schulden von Personen und Institutionen einer Volkswirtschaft gegenüber Gläubigern, die in anderen Volkswirtschaften ansässig sind. Sie betrifft also nicht ausschließlich Verbindlichkeiten, die der Staat später begleichen muss. Ein Teil kann auf ein privates Unternehmen entfallen, das Geld für eine neue Fabrik aufgenommen hat. Die Währung allein entscheidet dabei nicht, ob eine Schuld als Auslandsverschuldung gilt... An einfachen Beispielen lässt sich zeigen, wie sie entsteht und wodurch sie sich von Staatsschulden unterscheidet.
Auslandsverschuldung im Überblick
- Zur Auslandsverschuldung zählen offene Schulden von Gebietsansässigen (Personen und Institutionen mit wirtschaftlichemittelpunkt im jeweiligen Land) gegenüber Gebietsfremden (mit wirtschaftlichem Mittelpunkt in anderen Ländern).
- Sie kann den Staat ebenso betreffen wie private Unternehmen.
- Entscheidend ist die wirtschaftliche Ansässigkeit von Schuldner und Gläubiger, nicht die Währung.
- Deutsche Staatsanleihen in Euro können zur Auslandsverschuldung Deutschlands zählen, wenn sie von Gebietsfremden gehalten werden.
- Der Kauf gewöhnlicher Aktien durch einen ausländischen Anleger begründet für sich genommen keine Auslandsverschuldung.
Was bedeutet Auslandsverschuldung und wer nimmt solche Schulden auf?
In der Statistik werden die Begriffe „Gebietsansässige“ und „Gebietsfremde“ verwendet. Gebietsansässige haben ihren wirtschaftlichen Mittelpunkt in der betrachteten Volkswirtschaft. Bei Gebietsfremden liegt dieser in einer anderen Volkswirtschaft. Hat ein Gebietsansässiger gegenüber einem Gebietsfremden eine offene Schuldverpflichtung, zählt diese zur Auslandsverschuldung.
Solche Verbindlichkeiten kann der Staat eingehen. Auch ein Unternehmen kann seine Geschäftstätigkeit direkt durch einen Gläubiger finanzieren lassen, der in einem anderen Land ansässig ist. Die Statistik erfasst außerdem den Bankensektor. Ebenso können private Haushalte gegenüber dem Ausland verschuldet sein.
Es muss eine Verpflichtung bestehen, künftig Kapital zurückzuzahlen oder Zinsen zu leisten. Nicht jeder ausländische Investor ist deshalb automatisch ein Gläubiger... Wer gewöhnliche Aktien eines deutschen Unternehmens kauft, erwirbt einen Anteil am Unternehmen. Dieser Kauf allein begründet keine Auslandsverschuldung.

Beispiele für Auslandsverschuldung
Die folgenden Beispiele sind frei gewählt. Die genannten Beträge beschreiben nicht die tatsächliche aktuelle Verschuldung Deutschlands.
Deutsche Staatsanleihen im Besitz eines ausländischen Fonds. Ein in Frankreich ansässiger Fonds kauft deutsche Bundesanleihen mit einem Nennwert von 10 Millionen Euro. Der Bund ist verpflichtet, die Anleihen entsprechend den Emissionsbedingungen zurückzuzahlen. Diese Verbindlichkeit zählt zur Auslandsverschuldung Deutschlands, obwohl die Anleihen auf Euro lauten.
Ein Unternehmenskredit von einer Bank im Ausland. Ein deutsches Unternehmen nimmt direkt bei einer in Frankreich ansässigen Bank einen Kredit über 2 Millionen Euro auf. Solange die Verbindlichkeit besteht, erhöht sie die Auslandsverschuldung der deutschen Volkswirtschaft. Schuldner bleibt jedoch das Unternehmen – die Kreditaufnahme im Ausland macht daraus keine Staatsschuld.
Ein Zahlungsziel beim Import. Ein Unternehmen aus Deutschland erhält eine Maschine von einem tschechischen Lieferanten. Laut Vertrag muss es die Rechnung erst nach 60 Tagen bezahlen. Bis zur Zahlung besteht eine Verbindlichkeit gegenüber einem Gebietsfremden. Das ist ein Lieferantenkredit... obwohl das Unternehmen keinen Bankkredit abgeschlossen hat.
Ein weniger offensichtliches Beispiel? Das Guthaben eines Gebietsfremden bei einer deutschen Bank. Für den Kontoinhaber ist es ein Sparguthaben, für die Bank dagegen eine Verpflichtung zur Rückzahlung. Auch eine solche Einlage kann Bestandteil der Auslandsverschuldung sein.
Auslandsverschuldung und Staatsverschuldung – was ist der Unterschied?
Die Staatsverschuldung erfasst Schulden des Staates, die Auslandsverschuldung dagegen Verbindlichkeiten von Gebietsansässigen gegenüber Gebietsfremden. Bei der ersten Einteilung ist entscheidend, wer die Schulden hat. Bei der zweiten zählt, in welcher Volkswirtschaft Schuldner und Gläubiger jeweils ansässig sind.
Beide Kategorien überschneiden sich teilweise. Eine deutsche Staatsanleihe im Besitz eines Gebietsfremden kann gleichzeitig zur Staatsverschuldung und zur Auslandsverschuldung gehören. Hält dagegen ein Gebietsansässiger die Anleihe, bleibt sie eine Staatsschuld. Zur Auslandsverschuldung zählt sie in diesem Fall jedoch nicht.
Bei einem Kredit eines privaten Unternehmens ist es anders... Er kann zur Auslandsverschuldung gehören, obwohl der Staat dafür nicht der Schuldner ist. Staatsverschuldung und Auslandsverschuldung dürfen deshalb nicht einfach addiert werden. Ein Teil der Verbindlichkeiten würde sonst doppelt gezählt.
In deutschen Veröffentlichungen findest Du sowohl den finanzstatistischen Schuldenstand des Öffentlichen Gesamthaushalts als auch den Maastricht-Schuldenstand nach europäischen Vorgaben. Diese Kennzahlen folgen unterschiedlichen Erfassungsregeln und sind deshalb nicht unmittelbar gleichzusetzen.
Wann gelten Schulden als Auslandsverschuldung?
Entscheidend ist die wirtschaftliche Ansässigkeit beider Seiten. Ein Unternehmen mit wirtschaftlichem Mittelpunkt in Deutschland kann hier gebietsansässig sein, obwohl sein Eigentümer im Ausland lebt und dort seinen wirtschaftlichen Mittelpunkt hat.
Deshalb entscheidet die ausländische Marke einer Bank nicht darüber, ob ein Kredit zur Auslandsverschuldung zählt. Ist die kreditgebende Bank in Deutschland gebietsansässig, wird der Kredit eines gebietsansässigen Kunden nicht allein durch ausländische Eigentümer zur Auslandsschuld.
Außerdem muss die Verbindlichkeit tatsächlich bestehen. Ein zugesagter, aber noch nicht genutzter Kreditrahmen wird nicht bereits in voller Höhe als Schuld erfasst. Geld, das der Kreditnehmer noch gar nicht abgerufen hat, zählt nicht automatisch zur Auslandsverschuldung... Eine Kreditmöglichkeit ist eben noch keine tatsächliche Kreditaufnahme.
Müssen Auslandsschulden auf eine Fremdwährung lauten?
Nein. Auslandsverschuldung kann auch auf Euro lauten. Das zeigt das vorherige Beispiel deutscher Bundesanleihen, die in Euro ausgegeben wurden und von einem in Frankreich ansässigen Fonds gehalten werden. Auch der umgekehrte Fall ist möglich: Ein Dollarkredit zwischen zwei in Deutschland Gebietsansässigen wird allein durch seine Währung nicht zur Auslandsschuld.
Die Währung beeinflusst allerdings das Rückzahlungsrisiko... Angenommen, ein Unternehmen muss 100.000 US-Dollar zurückzahlen, erzielt seine Einnahmen aber in Euro. Bei einem angenommenen Kurs von 0,90 Euro je US-Dollar benötigt es dafür 90.000 Euro. Steigt der Dollar auf 1 Euro, sind für denselben Schuldbetrag bereits 100.000 Euro nötig.
Diese frei gewählten Wechselkurse dienen nur der Veranschaulichung. Zinsen und Wechselgebühren bleiben unberücksichtigt. Das Beispiel zeigt jedoch, warum eine Abwertung des Euro gegenüber dem Dollar die Rückzahlung einer Dollarschuld verteuern kann. Erzielt das Unternehmen auch Einnahmen in US-Dollar, kann eine passende Abstimmung von Einnahmen und Rückzahlungen dieses Wechselkursrisiko verringern.

Warum leihen sich Staaten und Unternehmen Geld im Ausland?
Ein ausländischer Gläubiger kann Geld für eine Investition bereitstellen, die ein Unternehmen zu diesem Zeitpunkt nicht vollständig aus eigenen verfügbaren Mitteln finanzieren kann. Die Firma muss dann nicht jahrelang den gesamten Betrag für den Bau einer Produktionsstätte ansparen. Sie rechnet damit, aus künftigen Einnahmen die Zinsen und die Rückzahlung finanzieren zu können.
Für einen Staat kann es wichtig sein, seinen Finanzierungsbedarf im Haushalt zu decken oder fällige Schulden abzulösen. Ein größerer Kreis von Investoren erweitert seine Finanzierungsmöglichkeiten. Manchmal bieten ausländische Gläubiger günstigere Konditionen, doch Finanzierung aus dem Ausland ist nicht grundsätzlich billiger.
Geliehenes Geld kann Wachstum ermöglichen, garantiert es aber nicht... Erzielt die finanzierte Investition zu geringe Einnahmen, bleibt die Rückzahlungspflicht trotzdem bestehen. Schwierigkeiten können auch entstehen, wenn ein Schuldner auf einen weiteren Kredit angewiesen ist, die Gläubiger jedoch kein zusätzliches Geld mehr bereitstellen.
Auslandsverschuldung – Fragen und Antworten
Was ist Auslandsverschuldung einfach erklärt?
Das sind offene Schulden von Personen und Institutionen einer Volkswirtschaft gegenüber Gläubigern, deren wirtschaftlicher Mittelpunkt im Ausland liegt. Schuldner können öffentliche Einrichtungen ebenso wie private Unternehmen sein.
Sind Auslandsverschuldung und Staatsverschuldung dasselbe?
Nein. Die Staatsverschuldung betrifft Schulden des Staates, während die Auslandsverschuldung Verbindlichkeiten von Gebietsansässigen gegenüber Gebietsfremden erfasst. Manche Schulden gehören zu beiden Kategorien.
Können Auslandsschulden auf Euro lauten?
Ja, beispielsweise wenn ein im Ausland ansässiger Fonds deutsche Staatsanleihen hält, die auf Euro lauten.
Zählt ein Kredit in US-Dollar immer zur Auslandsverschuldung?
Nein, die Währung allein ist nicht entscheidend. Ein Dollarkredit einer in Deutschland gebietsansässigen Bank an einen ebenfalls gebietsansässigen Kreditnehmer zählt deshalb nicht automatisch zur Auslandsverschuldung.
Kann ein privates Unternehmen die Auslandsverschuldung Deutschlands erhöhen?
Ja, wenn ein in Deutschland gebietsansässiges Unternehmen eine Schuldverpflichtung gegenüber einem Gebietsfremden eingeht, etwa durch einen Kredit bei einer Bank im Ausland.
Kann eine offene Importrechnung zur Auslandsverschuldung zählen?
Ja, eine Verbindlichkeit gegenüber einem gebietsfremden Lieferanten mit vereinbartem Zahlungsziel kann als Lieferantenkredit zur Auslandsverschuldung gehören.
Bedeutet eine hohe Auslandsverschuldung, dass ein Land zahlungsunfähig ist?
Die Höhe der Schulden allein reicht für diese Beurteilung nicht aus. Auch die Rückzahlungsfähigkeit und die Fälligkeit der Verbindlichkeiten müssen berücksichtigt werden.
Quellen:
- Deutsche Bundesbank – Auslandsverschuldung, https://www.bundesbank.de/de/statistiken/aussenwirtschaft/auslandsvermoegen-und-verschuldung/auslandsverschuldung-775742
- Deutsche Bundesbank – Methodische Erläuterungen: Auslandsvermögen und -verschuldung, https://www.bundesbank.de/de/statistiken/aussenwirtschaft/auslandsvermoegen-und-verschuldung/methodische-erlaeuterungen-775798
- Deutsche Bundesbank – Methodik und Notifikationstabellen: Maastricht-Defizit und -Schuldenstand, https://www.bundesbank.de/de/statistiken/oeffentliche-finanzen/maastricht-defizit-und-schuldenstand/methodik-und-notifikationstabellen-775568
- Statistisches Bundesamt – Schulden und Finanzvermögen, https://www.destatis.de/DE/Themen/Staat/Oeffentliche-Finanzen/Schulden-Finanzvermoegen/_inhalt.html
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